Text-Bild-Ansicht Band 206

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Kieserit, schließlich sonstige leichtere Beimengungen, welche in der Regel fortfließen, hier und da noch in besonderen Klärbassins abgesetzt werden. Das reinere Kieseritmehl wird aus den Schlämmcanälen alsbald in eiserne Formen gefüllt, erstarrt in denselben unter Erwärmung, indem sich ein Theil desselben in die 7fach gewässerte Verbindung verwandelt und hierdurch den Nest zu einer festen Masse zusammenkittet, und bildet nun den sogenannten Blockkieserit, rohen Kieserit, welcher mit einem Gehalte von ca. 60 Proc. MgSO⁴ in den Handel gebracht wird. Die Verwendungen des Kieserits haben sich, seit der Verfasser die ersten Mittheilungen über dieses Product publicirte, und die Industriellen aufforderte, sich mit dem Gegenstande stärker zu beschäftigen, gemehrt; es ist nicht bei der Verarbeitung zu schwefelsaurem Kali und zu krystallisirtem Bittersalz geblieben; der größte Theil des Kieserits geht nun seit Jahren nach England, daselbst von den Staßfurter und Leopoldshaller Fabriken anstatt des seither üblichen, aus Dolomit oder aus griechischem Magnesit dargestellten Bittersalzes eingeführt, und dient hier in den Baumwoll-Appreturanstalten zum sogenannten „Beschweren“ der Gewebe. Der Consum für diesen Industriezweig ist ein außerordentlich großer. Ein anderer großer Theil Kieserit wird, wenn die Winterkälte diese Fabrication möglich macht, in Staßfurt, namentlich Leopoldshall, in Gemeinschaft mit dem Steinsalz der Abraumsalzrückstände, zur Fabrication von krystallisirtem Glaubersalz verwendet und liefert ein von den Glashütten, weil es eisenfrei ist, sehr gesuchtes Product. Fernere geringere Quantitäten werden von Blanc-fixe-Fabriken verbraucht, welche denselben an Stelle von Schwefelsäure zur Fällung des BaSO⁴ aus dem Chlorbarium benutzen. Die Verwendung des Productes in allen ähnlichen Fällen, wo es sich darum handelt, ein schwerlösliches schwefelsaures Salz zu fällen, liegt nahe. – Nicht unerheblich ist auch der Consum des Kieserits in der Landwirthschaft, seitdem Dr. Pincus nachgewiesen hat, daß die schwefelsaure Magnesia, namentlich in der Kleedüngung den Gyps zu ersetzen, ja denselben in seinen Erfolgen zu überbieten vermag; namentlich wiederum ist England in dieser Richtung vorgeschritten und endlich, sollen wir uns auf das Gebiet der Vorschläge begeben, dürfte die Alaunfabrication unter Umständen Nutzen aus der löslichen Schwefelsäure des Kieserits ziehen. Das bekannte Thonerde-Mineral Bauxit, welches im südlichen Frankreich und in Wochein (Böhmen) gefunden wird, in Salzsäure, wo diese geringen Werth hat, gelöst, die Lösung mit geringgrädigem, also wohlfeilem Kalisalz und dem entsprechenden Kieserit versetzt, scheidet das Aequivalent Alaun fast vollständig ab, in der Mutterlauge Chlormagnesium zurücklassend.