Text-Bild-Ansicht Band 206

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Alle die oben angedeuteten Verwendungen genügen aber bei weitem noch nicht, um die großen Quantitäten Kieserit, welche in Staßfurt und Leopoldshall gewonnen werden, und die sich auf mehrere 100,000 Centner beziffern, zu bewältigen; es muß auf eine noch allgemeinere Verwendung gesonnen werden, eine solche die mit Leichtigkeit große Massen des Materiales consumirt. Eine solche würde gefunden seyn, wenn es gelänge, den Kieserit zu einem Baumaterial zu verwenden; könnte der Kieserit in dieser Richtung nur den Gyps ersetzen, so würde der Ausweg gefunden seyn; es ist hierzu vor Allem nöthig, seine Löslichkeit zu verringen. – Die Zusammensetzung des Polyhalits (2CaSO⁴ + MgSO⁴ + 2K²SO⁴ + H²O) führte den Verfasser darauf, die Fähigkeit der schwefelsauren Magnesia, Doppelsalze zu bilden, zur Darstellung eines Doppelsalzes aus MgSO⁴ + CaSO⁴ zu versuchen; es wurden 2 Aequivalente Kieserit mit 1 Aeq. Kalkhydrat unter Wasserzusatz gemischt. Die breiförmige Masse erstarrte unter Erwärmung und enthielt nun CaSO⁴ + MgSO⁴ + MgO, zeigte jedoch keinerlei brauchbare Eigenschaften, da sie für eine technische Verwendung zu weich erschien. – Als jedoch das so erhaltene Product einer ziemlich starken Glühung ausgesetzt, dann aufs Neue gepulvert und darauf mit Wasser angerührt worden, erhärtete dasselbe schnell zu einer marmorähnlichen Masse, welche mancherlei schätzenswerthe Eigenschaften darbietet; es ist in der Härte eher dem Marmor als dem Gypse ähnlich, läßt sich, wie es scheint, poliren und widersteht der Feuchtigkeit bis zu einem gewissen Grade, – eine vor vier Monaten dargestellte Platte daraus zeigt an der Oberfläche keinerlei Veränderungen.

Es erscheint nicht zweifelhaft, daß der so mit dem Kieserit dargestellte Cement mancherlei Verwendungen finden kann, zumal für architektonische Verzierungen, sofern sie im Inneren der Gebäude anzubringen sind, für Flurbelegplatten und dergleichen; und es wird dadurch die Möglichkeit gegeben werden, andere neue Verwendungen nicht ausgeschlossen, ein Material welches heute nicht den Rang einnimmt, der ihm seiner mannichfachen nützlichen Eigenschaften wegen gebührt, auf seinen Werth zu bringen. Wenn im Vorstehenden hierzu die Anregung gegeben wurde, so ist die Absicht des Verfassers erfüllt.