Text-Bild-Ansicht Band 207

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wirklich, vorkommt, ergibt sich aus einem Versuche von Neßler gelegentlich der Bestimmung der Essigsäure eines Weines, wo sich in dem Destillate vorzugsweise Salzsäure fand, ein Resultat welches nicht hätte eintreten können, wenn die freie Säure Aepfelsäure gewesen wäre. Beim Gallisiren, wo immer nur so viel Wasser zum Moste zugesetzt wird, um dessen freie Säure auf etwa 6 bis 8 pro Mille herabzubringen, tritt der angeregte Uebelstand weniger hervor, beim Petiotisiren jedoch, wo die Menge des zuzusetzenden Wassers das 3- ja selbst 4 fache des Mostes beträgt, und wo man die fehlende Säure durch Weinsäure ersetzt, kann, wenn das Wasser sehr reich an den genannten Kalksalzen ist, wie den Verf. die eigene Erfahrung gelehrt hat, der Wein sehr erheblich an seiner Güte benachtheiligt werden und einen Geschmack erhalten, welcher entfernt an Chlor erinnert und sehr unangenehm ist; bei freier Schwefelsäure zeigt sich zwar ein solcher specifischer Geschmack nicht, aber er ist dann immerhin schärfer oder herber, als dieß bei dem Vorhandenseyn von sogen, organischen Säuren der Fall ist. Aus den vorstehend mitgetheilten Beobachtungen würden sich beim Gallisiren und Petiotisiren die beiden Regeln ergeben: 1) Verdünnen des Mostes und Auswaschen der Treber mit möglichst weichem Wasser; 2) Anwendung von Aepfelsäure statt Weinsäure zur Regulirung des Säuregehaltes, wenn peliolisirt wird. Da die reine Aepfelsäure aber ziemlich theuer ist, so wird es vortheilhaft seyn, sie durch zweifach-äpfelsauren Kalk, unter Zusatz der nöthigen Menge Schwefelsäure zu ersetzen; man würde dann statt 2 Theile Aepfelsäurehydrat 3 Theile krystallisirten zweifach-äpfelsauren Kalk und 3/4 Thle. englische Schwefelsäure zu nehmen haben. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1873, Nr. 1.)

Specifisches Gewicht des Korkes; von W. Rollmann.

Nach Muschenbroek geben alle mir zu Gesicht gekommenen Lehrbücher das specifische Gewicht von Kork = 0,24 an. Graham-Otto's Chemie enthält sogar ein ausgerechnetes Beispiel mit diesem Endresultate. Die Zahl ist aber nicht richtig. Ich fand bei möglichst tadellosen Korken die Zahlen 0,12; 0,15; 0,18 und 0,195. (Carl's Repertorium für Experimental-Physik, 1872, Bd. VIII S. 376.)

Wasserconsum der Thiere.

Professor Henneberg macht in den „Mittheilungen des landwirthschaftlichen Centralvereines für den Regierungsbezirk Cassel“ auf eine Beobachtung von großem praktischem Interesse aufmerksam, auf die Beobachtung nämlich, daß im Lebensproceß der Thiere die größte Wasserperspiration (Ausscheidung von Wasser in Dunstform durch Lunge und Haut) mit dem größten Wasserconsum zusammenfällt. Mit gesteigerter Perspiration steht aber auch Kohlensäurebildung und deßhalb auch der Verbrauch von kohlenstoffhaltigem Respirationsmaterial in engster Beziehung. Je großer die Wasseraufnahme also, desto kleiner der Theil der kohlenstoffhaltigen Nahrung, welche im Körper zum Ansatz verwendet werden kann. Mit dem größten Wasserconsum steht aber ferner der Eiweißumsatz in gerader Beziehung; je mehr ein Thier Wasser aufnimmt, desto mehr wird Eiweiß in Form von Harnbestandtheilen ausgeschieden. Es ist demnach unökonomisch und verwerflich, den Thieren viel Wasser, wie es in der Praxis durch Aufschwemmen von Schrot und Oelkuchen im Trinkwasser vorkommt, zu reichen, oder sie in heißen Ställen schwitzen zu lassen.

Ueber die Einwirkung von Düngemitteln auf die Verunkrautung.

Man hat bisher bei Besprechung der Einwirkung von natürlichen und namentlich von künstlichen Düngemitteln auf alle möglichen directen und indirecten Wirkungsweisen derselben hingedeutet, merkwürdiger Weise aber fast ganz und gar die Abhängigkeit der Verunkrautung einer Feldfrucht von der Verwendung specifischer Düngemittel außer Augen gelassen. Und doch ist es klar, daß sowohl aus leicht zu übersehenden