Text-Bild-Ansicht Band 209

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wenn das Wasser verhältnißmäßig arm an Gyps ist, aber viel kohlensauren Kalk neben bedeutenderen Mengen kohlensaurer Magnesia enthält.

Um über die Menge von Kesselstein, welche sich aus manchen Speisewässern absetzt, einen Begriff zu bekommen, seyen hier einige concrete Beispiele angeführt, in welchen Wässer berücksichtigt werden, die factisch zur Speisung von Locomotiven und Stabilkesseln verwendet werden.

Das Wasser der Station Wien am Südbahnhofe enthält, bevor es einer Reinigung unterworfen wurde (was jetzt, wie wir in der Folge sehen werden, geschieht) in 1 Kubikmeter:45)

kohlensauren Kalk: 275,10 Theile
kohlensaure Magnesia: 165,62 „
schwefelsauren Kalk: 89,971 „

Nehmen wir nun an, eine Personenzug-Locomotive mit zwei gekuppelten Treibachsen, die pro Stunde beiläufig 3,48 Kubikmeter Wasser verdampft, machte einen Turnus von 6 Stunden und wurde während dieser Zeit mit obigem Wasser gespeist, so mußte sich innerhalb dieses Zeitraumes, wenn wir nur die kohlensauren Erdalkalisalze berücksichtigen, eine Kesselstein-Menge von 20 Zollpfund bilden, wovon ein geringer Theil pulverförmig bleibt und beim Waschen entfernt werden kann; der größte Theil aber haftet in Folge des Gypsgehaltes, der obige Gewichtsmenge vermehrt, fest an den Siederöhren; hierdurch häuft die Kruste sich immer mehr an, und liefert endlich eine Incrustation, welche die Rohre vollständig aneinanderkittet. Noch greller sind die Verhältnisse bei Lastzugmaschinen. So lieferte eine solche Locomotive mit 3 Treibachsen, welche pro Stunde 4,75 Kubikmeter Wasser verdampft, unter den vorhin angegebenen Bedingungen eine Kesselstein-Menge von 27 Zollpfund.

Das Wasser der Station Wien der Staatsbahn enthält in 1 Kubikmeter:46)

kohlensauren Kalk: 277,90 Theile
kohlensaure Magnesia: 105,12 „
schwefelsauren Kalk: 86,14 „

Dieses Wasser gibt daher in einer Lastzugmaschine mit 3 Treibachsen unter den früher erwähnten Verhältnissen eine Kesselstein-Menge von mindestens 22 Zollpfund.

45)

Man s. polytechn. Journal, 1872, Bd. CCVI S. 304.

46)

Man s. polytechn. Journal, 1872, Bd. CCVI S. 304.