Text-Bild-Ansicht Band 209

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Nicht viel günstiger gestalten sich die Verhältnisse bei den Stabilkesseln, da dieselben nicht so oft wie die Locomotive gereinigt werden.

Eine Stabilmaschine in der Werkstätte der Südbahn, die mit dem früher erwähnten Wasser gespeist werden muß, verdampft pro Stunde 1 Kubikmeter Wasser. Die Arbeitsdauer beträgt 10 Stunden. Mithin verdampft ein solcher Kessel täglich 10 Kubikmeter Wasser. Die Kessel mußten früher alle 6 Wochen geputzt werden. Während dieser Zeit wurden daher 360 Kubikmeter Wasser verdampft. Dieses Wasserquantum liefert aber eine Kesselsteinmenge von mindestens 3 Ctr. 37 Pfd.

Wenn man solche Mengen von Kesselstein berücksichtigt, so läßt sich leicht ermessen, welche Nachtheile dieselben auf die Kesselwände, auf den Brennmaterialverbrauch und auf die Reinigung der Kessel mit sich bringen, abgesehen von der Gefahr der plötzlichen Zerstörung eines mit Kesselstein-Ablagerungen überladenen Kessels.

Man war daher stets darauf bedacht und arbeitete mit allen Kräften dahin, die schädlichen Einflüsse des Kesselsteines zu beheben oder die Bildung desselben ganz hintanzuhalten. Dieß suchte man auf die verschiedenste Art und Weise zu erreichen: durch eigenthümlich construirte Apparate in oder an den Kesseln, durch sogenannte Kesselsteinhindernde Mittel oder dadurch, daß man Condensationswasser zur Kesselspeisung benutzte.

Von den vielen Apparaten, die zu diesem Zwecke in der Praxis zur Anwendung kamen und meistens den Namen des Erfinders tragen, seyen erwähnt: der Haswell, Schau, Schäffer und Budenberg, Forster, Maier, Schön, Popper, Bäker und in neuester Zeit der Friedmann'sche Apparat. Die meisten dieser Apparate gründen ihre Berechtigung auf die früher erwähnte Eigenschaft der in Wasser gelösten doppelt-kohlensauren Salze – beim Erhitzen nämlich einen Theil Kohlensäure abzugeben und als einfach-kohlensaure Salze in unlöslichem Zustande niederzufallen. Hierzu muß bemerkt werden, daß nur dann der erwähnte Vorgang vollständig eintritt, wenn das Wasser bis zum heftigen Sieden erhitzt wird und daß hingegen in dem Falle, wo die Erwärmung desselben auf nur 80–90° C. sich steigert, was meistens in den erwähnten Apparaten geschieht, höchstens die Hälfte der kohlensauren Erdalkalisalze gefällt wird. Der Rest davon bildet dann um so festere Kesselsteine, indem an seiner Bildung verhältnißmäßig mehr kohlensaure Magnesia theilnimmt, weil dieselbe bei einer Erwärmung auf nur 90° C. noch weniger gut gefällt wird als der kohlensaure Kalk.

Ein anderer Theil der Apparate basirt sich auf die angeblich im Kessel stattfindende Strömung und Wallung des verdampfenden Wassers.