Text-Bild-Ansicht Band 209

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Wer jedoch einmal beobachtet hat, wie sich ein an kohlensauren Erdalkalisalzen reiches Wasser beim Kochen in einem Glaskolben verhält, wird bemerkt haben, wie sich ein Theil der kohlensauren Salze pulverförmig abscheidet und das Wasser trübt.

Der bei weitem größte Theil derselben bildet aber an den Wänden und am Boden des Kolbens eine fest haftende Kruste, zu deren Entfernung man oft verdünnte Salzsäure verwenden muß.

Was hier im Kleinen stattfindet, geschieht im Großen im Dampfkessel. Ein kleiner Theil der inkrustirenden Bestandtheile des Wassers und zwar der weniger schädliche, wird als pulveriger Niederschlag mit dem Wasser dessen Bewegungen theilen; der andere Theil aber wird fest an den Kesselwänden oder Siederöhren haften und findet noch als besseres Bindemittel den Gyps, auf den alle erwähnten Apparate ohne Wirkung sind.

Aus den angegebenen Gründen lassen diese Apparate bei ihrer Anwendung viel zu wünschen übrig, ja versagen in vielen Fällen gänzlich, wenn das Wasser reich an inkrustirenden Bestandtheilen ist.

Nicht viel günstigere Resultate erzielte man bisher mit den sogenannten Kesselstein hindernden Mitteln.

Dieselben lassen sich nach C. Bischof 47) in drei Kategorien theilen:

1) in chemisch-wirkende, wie Soda, ein Gemenge von Soda und Wasserglas (holländische Composition), Salmiak, überhaupt Ammoniakverbindungen, Aetzkalk, Chlorbaryum, alkalische Laugen, Erhitzen des Wassers auf mindestens 150° C. u.s.w.;

2) in mechanisch-wirkende, d.h. in solche welche neben der untergeordneten chemischen Wirkung eine pulverförmige Gestalt des Kesselsteines bedingen sollen; hierher gehören: Melassen, überhaupt schleimige Stoffe, Stärke, Kartoffeln, Thon, Bergseife, Sägespäne, gerbstoffhaltige Körper wie Lohe u.s.w.;

3) in solche welche das Festhaften des Kesselsteines an den Wänden verhindern sollen, wie Talg, Graphit, Kohle, Gemenge von diesen Stoffen, Kieselsteine u.s.w.

Was die chemisch-wirkenden Mittel anbelangt, so ist erwiesen, daß einige derselben, in richtiger Menge auf das geeignete Wasser angewendet, die nachtheiligen Wirkungen des Kesselsteines zum Theil beheben, indem dieselben theilweise aus den in dem Wasser enthaltenen schwerlöslichen Salzen leichter lösliche bilden, zum Theil aber bewirken

47)

Polytechn. Journal, 1860, Bd. CLVI S. 236.