Text-Bild-Ansicht Band 209

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daß die sich absetzenden Niederschläge im amorphen, pulverförmigen Zustande erhalten werden.

Allein trotzdem wollen die meisten Kesselbesitzer, und nicht mit Unrecht, von den verschiedenen Kesselstein-hindernden chemischen Mitteln, welche so häufig als vorzüglich wirkend angepriesen werden, nichts wissen, da diese Mittel in vielen Fällen nicht nur nicht wirken, sondern das Kesselwasser noch mehr verunreinigen und oft größere Kesselstein-Ablagerungen bewirken, als ohne sie entstanden wären. Manche derselben können für ein bestimmtes Wasser von sehr guter Wirkung seyn, allein daraus folgt noch nicht, daß ein solches Mittel dann für alle harten Wässer nach einer bestimmten Schablone verwendet werden kann, wenn man die verschiedene Natur der Wässer in Bezug auf ihre verunreinigenden, die Härte bedingenden Salze berücksichtigt.

Dazu kommt noch, daß man, um die wirkende Substanz zu verdecken, die verschiedenartigsten Verunreinigungen darunter mischt, welche dann nur zur Verschlechterung des Wassers beitragen.

Unter den vielen chemischen Mitteln sind besonders das kohlensaure Natron (Soda), zuerst von Kuhlmann und dann von Fresenius vorgeschlagen, ferner die sogenannte holländische Komposition, ein Gemenge von Soda und Natronwasserglas, zuerst von Buff und Versmann 48) angegeben, und endlich Chlorbaryum jene Substanzen, die auf das Kesselwasser günstig einwirken, wenn sie in der richtigen Menge angewendet werden und der Natur des Wassers entsprechen. Jene Geheimmittel, die sich noch der Gunst mancher Kesselbesitzer erfreuen, enthalten eine oder mehrere dieser Substanzen als Hauptingredienz, vermischt mit Sägespänen, Kohlenpulver, Lohe und dergleichen Verunreinigungen.

Die Wirkung der Soda besteht darin, daß dieselbe einestheils den kohlensauren Kalk und die kohlensaure Magnesia fällt, indem sie den doppelt-kohlensauren Salzen Kohlensäure entzieht, wodurch sie selbst vorübergehend zu doppelt-kohlensaurem Natron wird, das aber beim Erhitzen wieder seine Kohlensäure verliert und in einfach-kohlensaures Natron übergeht, welches auf eine neue Menge doppel-kohlensaurer Salze in der erwähnten Weise einwirkt. Anderntheils setzt sich ein Theil des kohlensauren Natrons mit dem schwefelsauren Kalke in der Art um, daß sich kohlensaurer Kalk und schwefelsaures Natron bilden.

Im Allgemeinen läßt sich mithin die Wirkung der Soda auf ein Wasser dahin erklären, daß sie alle Kalksalze, weniger günstig die Magnesiasalze,

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Polytechn. Journal, 1859, Bd. CLII S. 189.