Text-Bild-Ansicht Band 209

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Dieser angedeutete Weg wurde zuerst in England in größerem Maaßstabe nach der bekannten Methode von Clark ausgeführt. Das chemische Agens hierbei ist Kalkmilch, deren Kalkhydrat dem doppelt-kohlensauren Kalk und der doppelt-kohlensauren Magnesia einen Theil Kohlensäure entzieht und dieselben als einfach-kohlensaure Salze fällt, wie oben angegeben wurde. Dieser Niederschlag wird dann auf die Art entfernt, daß man denselben in großen Reservoiren absetzen läßt. Hierzu ist ein Zeitraum von mindestens 8 Stunden nöthig, wenn man nicht einen Kalk-Ueberschuß zur Fällung verwendet, weil sich der kohlensaure Kalk in letzterem Falle groß-flockig abscheidet und rasch setzt. Auf dieser Eigenschaft basirt ja auch die Art der Anwendung des Kalkes nach Clark, indem man zuerst bloß 3/4 des gesammten Wassers mit 7/8 der nöthigen Kalkmenge versetzt – durch welchen Kunstgriff man im Anfange einen Kalküberschuß in das Wasser bringt. Erst nach einiger Zeit setzt man dann den Rest des Wassers und der Kalkmilch also den kleineren Theil – zu, dessen Niederschlag mit den größeren Flocken der früheren Fällung zu Boden gerissen wird.

Die dabei zur Fällung nöthige Kalkmenge wird, wie auf Grund einer Härtebestimmung des Wassers, mittelst Seifenlösung berechnet.

Gegen diese Methode wird mit Recht eingewendet, daß dieselbe bei einem größeren Bedarf von Wasser unverhältnißmäßig große Absetz-Reservoirs verlangt, also Raum- und Geldverschwendung. Ferner ist die Berechnung des zur Fällung nöthigen Kalkquantums auf Grund einer bloßen Härtebestimmung immer eine ungenaue. Ein Kalküberschuß im Kesselwasser bildet aber ebenfalls feste Kesselsteine.52)

Um nun die Reservoire und das langwierige Absetzenlassen zu umgehen, versuchte zuerst H. Wagner in Paris53) den durch Erhitzen des Wassers auf 80° C. (mittelst abgehenden Dampfes) entstandenen Niederschlag durch Filtration zu entfernen. Seine Filtermasse war Galletseide. Daß diese für einen größeren Betrieb kein geeignetes Filtermaterial ist, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden.

Es wurden dann als Filtermassen Schwämme, präparirte Scherwolle (Bernard's Patent) u.s.w. verwendet; aber alle diese Mittel bewährten sich nicht, wenn in dem Wasser der Niederschlag von kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia suspendirt war, da derselbe an der Oberfläche der filtrirenden Masse so dicht

52)

Man s. polytechn. Journal, 1872, Bd. CCVI S. 304.

53)

Polytechn. Journal, 1862, Bd. CLXIV S. 253; Wagner's Jahresbericht der chemischen Technologie für 1862, S. 536.