Text-Bild-Ansicht Band 209

Bild:
<< vorherige Seite

sich absetzte, daß kein Wasser mehr durchging, wie zahlreiche mißglückte Versuche bewiesen, welche in Wien die Südbahngesellschaft durchführte. Endlich gelang es Hrn. J. A. Bérénger, Inspector obiger Gesellschaft, höchst einfache und praktische Filter zu construiren, deren filtrirende Masse aus gewöhnlichen Hobelspänen und Kohks-Abfällen besteht. Diese Filter liefern nicht nur das Wasser krystallhell, sondern sie arbeiten auch längere Zeit, manche mehrere Monate, ohne gereinigt zu werden, wie das in der Gasfabrik vor der Favoritenlinie in Wien der Fall ist. Dazu kommt noch, daß das Filtermaterial leicht zu haben und nicht kostspielig ist.

Nachdem somit die Schwierigkeit der Filtrirung behoben war, führte die Südbahn-Gesellschaft, auf ihrer Station Wien, die Hrn. J. A. Bérénger patentirte Methode des Weichmachens des Wassers durch.

Diese Methode besteht nun im Wesentlichen in Folgendem:

Das zu präparirende Wasser – komme es nun aus einem Brunnen, aus einem Flusse, aus einer Leitung oder einem höher gelegenen Reservoir, – wird in einen vollkommen geschlossenen Recipienten A (Mischgefäß, Mélangeur genannt) (Fig. 1) geleitet. Dieß geschieht durch das Rohr B, welches bei C sich in eine Art Brause erweitert. Da dieser Apparat vorher mit Luft gefüllt war, so wirkt er in der Folge gleichzeitig als Windkessel und trägt zu diesem Behufe am obersten Ende ein Manometer M.

Vor dem Eintritte des Wassers nach A erfolgt durch eine Pumpe die Einspritzung des betreffenden Reagens d, also in unserem Falle entweder Kalkwasser, oder Kalkwasser und Chlorbaryum, kurz solcher Mittel, die der Natur des Wassers entsprechen.

Diese chemisch wirkenden Mittel werden in Bottichen in Lösung gebracht. Das Kalkwasser wird auf folgende Art bereitet.

In dem Bottich A, Fig. 2, wird der gelöschte Kalk von einem Arbeiter tüchtig mit Wasser, welches durch das Rohr F zufließt, unter einander gemischt. Wenn das Ungelöste nach einiger Zeit abgesetzt ist, läßt man durch den Trichter B und das Rohr C die klare Kalklösung, von der Oberfläche weg, in den größeren gedeckten Bottich D abfließen, wo die vollständige Klärung erfolgt. Aus demselben entnimmt die Pumpe das gesättigte klare Kalkwasser durch die Röhre E. H dient zur Entfernung der ungelösten Bestandtheile des Kalkes.

Nachdem nun die betreffenden Lösungen der Reagentien mit dem Wasser vermischt sind, erfolgt die Fällung der schädlichen Salze in dem Mischgefäß (mélangeur), dessen Einrichtung und Raumverhältnisse derart sind, daß hierzu die nöthige Zeitdauer ermöglicht ist.