Text-Bild-Ansicht Band 127

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in der Nähe von St. Quentin Alaunerz und in der Umgegend von Tourney Alaunschiefer vorkommt, welche man recht gut zum Bedecken der Düngerhaufen benutzen könnte, wie jetzt in einigen Bezirken den Sand.

An den Ufern der Leye (Lys) wird der vom Wasser abgesetzte Schlamm gesammelt und ihm oft gebrannter Kalk zugesetzt; anderwärts macht man Composte, bei denen man die Zersetzung der verschiedenen angewandten Kräuter ebenfalls durch einen Zusatz von Kalk zu beschleunigen sucht. Diese Verfahrungsweisen scheinen uns nicht sehr rationell zu seyn; wir glauben, daß der Kalk nur da anzuwenden ist, wo in einem Schlamm die Säure neutralisirt werden muß. Doch ist dieses Verfahren nicht so verwerflich als dasjenige, dem Miste gebrannten Kalk oder gar kohlensauren Kalk oder Mergel zuzusetzen. Der Aetzkalk treibt das Ammoniak aus und vermindert daher den Werth des Düngers; der kohlensaure Kalk hat eine ähnliche indirecte Wirkung, indem er kohlensaures Ammoniak, ein flüchtiges Salz, erzeugt. In Wirthschaften, wo nicht Stroh als Streu gegeben wird, sondern man den Harn von andern Substanzen absorbiren lassen will, kann man daher zu diesem Zweck nichts schlechteres wählen, als Mergel oder Kalk; hingegen eignet sich dazu vortrefflich Thon, welcher, wie Theodor v. Saussure schon vor mehr als einem halben Jahrhundert gezeigt hat, das Ammoniak vollkommen verdichtet.

Seit einigen Jahren bringen einige Landwirthe in England den Mist aus dem Stall unmittelbar auf das Feld, ohne ihn vorher in Haufen gähren zu lassen. Zu diesem Behufe wird das Mastvieh in eine Art Gruben gestellt; man breitet unter seinen Füßen Thon in solcher Menge aus, daß er alle Ausleerungen zu absorbiren vermag, und darüber so viel Stroh, daß das Thier sich legen kann; täglich werden neue Schichten von Thon und Stroh zugefügt und die dem Vieh zum Aufenthalt dienende Grube wird erst nach mehreren Wochen, manchmal erst nach mehreren Monaten geleert. Das Thier sieht den Fußboden unter sich anwachsen, ohne einen übeln Geruch zu verspüren und der erhaltene Dünger ist vortrefflich. Andere stellen das Vieh bloß auf den etwas ausgehöhlten und ebenso mit Thon und Stroh belegten Boden des Stalls. Manche Landwirthe stellen die Thiere auf durchbrochene Fußböden; alle ihre Ausleerungen fallen dann durch die Oeffnungen dieses Fußbodens in die darunter befindliche Grube und werden daselbst von Thon absorbirt, welcher sich in zwei bis drei Monaten in eine vortreffliche Düngererbe verwandelt. Bei diesen neuen Verfahrungsweisen verfüttert man an das Vieh einen großen Theil des Strohs, welches man ihm sonst kleingehackt und mit gepulverten Preß- oder Oelkuchen vermengt, darreicht. Man erhält so ausgezeichnete Resultate.