Text-Bild-Ansicht Band 127

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II. Dünger, welche im Handel vorkommen.

Der Transport des landwirthschaftlichen Düngers bietet in vielen Gegenden sehr große Schwierigkeiten dar; der Herbst ist, wegen des Zustandes der Felder während des Winters und Frühlings, fast die einzige Jahreszeit, wo dieser Transport ausgeführt werden kann. Die im Handel vorkommenden Dünger, von denen selbst ein geringeres Gewicht viel befruchtender wirkt, ziehen daher immer mehr die Aufmerksamkeit des Landwirthes auf sich. Doch sind die Preßkuchen der Oelsamen die einzigen Dünger des Handels, deren man sich, zwar nicht im Arrondissement von Valenciennes, aber in der Umgegend von Lille, in den Bezirken von Merville, Bailleul, Cassel, Hazebrouck etc. bedient. Der Preis von 100 Kil. Oelkuchen wechselt zwischen 12–13 Franken; durch den Verkauf der ausgepreßten Oelsamen in Form von Kuchen, wird ihre Verfälschung im Handel verhindert; diese Kuchen werden von den Oekonomen selbst gepulvert. Man streut die Oelkuchen in gepulvertem Zustande auf den Feldern aus; oder man weicht sie zuerst in Wasser ein, und sobald dadurch eine Art Gährung hervorgerufen wurde, verbreitet man die entstandene schleimige Flüssigkeit auf dieselbe Art wie den flämmischen Dünger. Die Quantitäten, welche man von den Oelkuchen anwenden muß, sind beträchtlich, 1700 Kil. per Hektare beim Weizenbau, 2600 Kil. beim Flachsbau und 12000 Kil. beim Tabaksbau. Die Oelkuchen welche man in Pulverform auf dem Felde ausstreut, sind die von Reps, Mohn, Leindotter und manchmal auch vom Lein. Der Leindotterpreßkuchen wird als ein würmervertreibendes Mittel für den Boden betrachtet. Die Leinpreßkuchen werden mehr als Futter für Mastvieh verwendet. Die Commission wundert sich, daß man nicht auch die andern Preßkuchen als Viehfutter zu verwenden trachtet; dieselben enthalten nämlich durchschnittlich wenigstens 7 Procent Fettsubstanzen, welche als Dünger ohne alle Wirkung sind, aber von großem Werth wären, wenn der Preßkuchen den Magen des Viehs passiren müßte, bevor er in die Ackererde gelangt. In der Nähe von London wird viel Schlachtvieh mit einem Gemenge von Hackstroh und gepulverten Preßkuchen aufgezogen.

Der Guano scheint in den nördlichen Departements von Frankreich neben der Anwendung der Preßkuchen nicht in Gebrauch kommen zu können. Die Preßkuchen sind ein Dünger, auf welchen sich die Landwirthe verlassen können, während hingegen der Guano nicht selten ein verfälschtes Gemenge ist. Zudem müßte der jetzige Preis des Guano wenigstens auf die Hälfte heruntergehen, damit er von unseren Landwirthen mit wirklichem Vortheil angewendet werden könnte. Man scheint dieß in