Text-Bild-Ansicht Band 200

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Wollte man aus den angeführten Thonen, denen von der Saar wie den belgischen von Namur, wobei jedesmal die geringere feuerfeste Sorte auch eine geringere Menge Kieselsäure im Verhältniß zu den Flußmitteln aufweist, einen Schluß ziehen, so würde man zu einem Resultate kommen, welches dem schon länger ausgesprochenen ganz entgegengesetzt ist, und erst durch die oben erwähnten sehr dankenswerthen pyrometrischen Bestimmungen von Richters seinen bestimmten, meßbaren Ausdruck gefunden hat. Richters setzte bekanntlich dem Saarauer Thon Nr. I zwei Zehntel Quarzpulver hinzu und drückte dadurch die Feuerbeständigkeit dieses Thones um mehrere Grade seiner Scala hinab, um ihn mit seiner angenommenen Controlprobe vergleichen zu können.

Auch unterscheiden sich die in Bezug auf das Verhältniß zwischen Thonerde und Flußmittel nahe gleichen Thone, Richters' Saarau Nr. I wie Nr. III, in der Formel durch den bedeutend größeren Kieselsäuregehalt des letzteren. Letztgenannter Thon aber ist der wesentlich weniger feuerfeste.

Was somit hier die durch die bestimmten Versuche bewiesene Regel ist, das kehrt sich in obigen Fällen auf einmal um, woraus, zuverlässige Untersuchungen selbstredend vorausgesetzt, hervorgeht, daß das Verhältniß zwischen Kieselsäure und Flußmittel nicht nur nicht als ein maaßgebendes, entscheidendes, sondern im Gegentheil als ein verwirrendes zu bezeichnen ist, welches mit den erwähnten Thonerdeverhältnissen in keiner Verbindung steht.

Vollends aber für sich allein, ohne Beziehung aufgefaßt, liefert das Verhältniß zwischen Kieselsäure und Flußmittel gewiß keinen Maaßstab und ist hierbei wie immerhin festzuhalten, was Richters ebenso richtig wie evident dargelegt hat, daß wir es bei den feuerfesten Thonen mit Doppelverbindungen zu thun haben. Deßwegen sind denn auch die oben bezeichneten Verhältnisse zwischen Thonerde und Flußmittel einerseits, wie zwischen Thonerde und Kieselsäure andererseits, wie ich bereits dort schon bemerkt, stets strengstens in combinirter Beziehung in's Auge zu fassen.

In der Einseitigkeit liegt der Irrthum. So läßt sich z.B. durch einen Versuch constatiren, daß Verhältnisse zwischen Kieselsäure und Thonerde aufstellbar sind, bei denen, was sonst paradox erscheint, mit der Zunahme der Thonerde die Strengflüssigkeit abnimmt!

Mengt man 100 Theile feinstes, chemisch reines Quarzpulver innigst mit 1, 2 und 4 Theilen Thonerde, und setzt die Gemenge einem heftigen