Text-Bild-Ansicht Band 200

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bildet das eigentliche Kriterium für die Genauigkeit der Gesammtbeobachtungen, sey es daß wir dadurch ein correctes oder ein zu modificirendes Bild erlangen. Mittelst dieses Quotienten controlliren sich das analytische und pyrometrische Resultat wechselweise.

Wiesbaden, im Mai 1871.

LXXXI. Ueber die Constitution des Ultramarins; von Prof. W. Stein.

Aus dem polytechnischen Centralblatt, 1871 S. 445.

Stellt der Ultramarin als Ganzes eine chemische Verbindung dar, und in welchem Verbindungszustande befindet sich der Schwefel desselben? Dieß sind Fragen, welche zwar schon vielfach besprochen, aber noch nicht in allseitig befriedigender Weise beantwortet worden sind. Indem ich deren Lösung versuche, beginne ich mit der zweiten Frage, welche für die Beurtheilung der Constitution des Ultramarins den Schwerpunkt bildet.

Die Mehrzahl der Autoren denkt sich den zur Constitution des Ultramarins gehörigen Schwefel mit Natrium verbunden als Mono-, Di- oder Pentasulfuret. Wenige, zu denen ich selbst früher gehörte, glauben an das Vorhandenseyn von unterschwefliger Säure neben Schwefelnatrium, und noch geringer ist die Zahl Derjenigen, welche es für möglich oder wahrscheinlich halten, daß der Schwefel an Aluminium gebunden sey.69)

Im Folgenden werde ich Beweise dafür beibringen, daß im blauen

69)

Als ich aus Veranlassung der vorliegenden Arbeit ältere literarische Quellen aufsuchte, überzeugte ich mich, daß wichtige Einzelheiten der Geschichte des Ultramarins allgemein in Vergessenheit gerathen sind. So heißt es z.B. in der Abhandlung von C. G. Gmelin „über Ultramarin und dessen künstliche Darstellung“ vom Jahre 1828 (Journal für technische und ökonomische Chemie, Bd. III S. 386): „In welcher Verbindung der Schwefel die Färbung des Ultramarins bewirkt, läßt sich noch nicht bestimmen; am wahrscheinlichsten ist es, daß er als unterschweflige Säure darin enthalten ist.“ Auch läßt die Beschreibung der Darstellung keinen Zweifel darüber, daß Gmelin den „weißen Ultramarin“ bereits unter Händen gehabt und dessen Eigenschaft, durch Luftzutritt in der Hitze grün und blau zu werden, erkannt hat. Endlich sagt Berzelius im Jahrg. 1836 seines Jahresberichtes (S. 137): „Bekanntlich enthält der Ultramarin nach C. G. Gmelin's Entdeckung als wesentliche Bestandtheile Schwefelaluminium und Schwefelnatrium, ohne daß wir jedoch die Verbindungsweise kennen.“ Nirgends sonst, selbst nicht in Gmelin's Handbuch, habe ich diese Notiz gefunden.