Text-Bild-Ansicht Band 211

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schwefelsaures Calcium und Spuren von Chlorkalk, können daher in der Regel ohne Schaden in die Flüsse eingeleitet werden.

4. Wolle-, Baumwoll- und Seidenfabriken.

Die Wollenfabriken geben Massen von Schmutzwasser beim Waschen, Walken, Färben und Drucken. Die Schafwäsche (Analyse 14 und 15) liefert zwar stark verunreinigtes Abwasser, doch kommt dieses weniger in Betracht, weil dieselbe nur wenige Tage im Jahre dauert, auch immermehr durch die Fabrikwäsche (Analyse 16) ersetzt wird, welche ihre Abwässer vortheilhaft zur Herstellung von Pottasche verwendet.79) Der Arsengehalt ist auf die verunreinigte Seife und Soda zurückzuführen.

Bei der Fabrication von Tuch sind nach dem Bericht der englischen Commission nicht weniger als 40 Fabricationsstadien zu unterscheiden. Die Herstellung von 500 Stück Tuch erfordert etwa 1600 Kilogrm. Soda, 60 Kubikmeter Harn, 3000 Kilogrm. Seife, 3000 Kilogrm. Oel, 1000 Kilogrm. Leim, 2 Kubikmet. Schweineblut und Schweinekoth, 2000 Kilogrm. Walkerde, 20000 Kilogrm. Farbwaaren, 2000 Kilogrm. Alaun oder Weinstein und liefert außerdem noch 8000 Kilogrm. Wollfett und Schmutz. Von diesen Stoffen bleibt nur ein sehr geringer Theil auf dem fertigen Tuch zurück, fast die ganze Masse wird fortgeschwemmt. Aehnlich sind die Abwässer der Teppichfabriken, während die der Flanellfabriken noch stärker verunreinigt sind (Analyse 17–19.)

Die Analysen 20–22 zeigen, daß die Abwässer der Wollenfabriken weit mehr verunreinigt sind als die der Baumwollfabriken, daß Seidenfabriken nur wenig Schmutztheile liefern.

5. Schlachtereien, Gerbereien, Fettextractionen, Leim- und Seifensieder.

Die Abwässer der Gerbereien (Analyse 24 und 25) enthalten sehr große Quantitäten Stickstoff, ihr Einlauf in die Flüsse ist daher sehr bedenklich. Da die Gerbereien für die Nachbarschaft durch ihre Ausdünstungen jedenfalls unangenehm, durch die Inficirung des Bodens mit faulenden thierischen Stoffen aber gesundheitsgefährlich sind, so sollten dieselben, wie auch die Schlachtereien und Leimsiedereien vor die Städte verwiesen werden (vergl. Vierteljahresschrift für öffentliche Gesundheit. 5. 160 und 323.) Hier würden auch die Abfälle, namentlich

79)

Hannoversches Wochenblatt für Handel und Gewerbe, 1873 S. 145, 155 und 173; vergleiche auch polytechn. Journal Bd. CLIII S. 215; Bd. CCVI S. 333; Bd. CCVIII S. 465.