Text-Bild-Ansicht Band 211

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der deutschen chemischen Gesellschaft. 5. 543 und 652, 6. 762 und 1422).

7. Stärke-, Zucker- und Spiritusfabriken.

Nach den Untersuchungen von Knapp 87) führten die Abwässer von drei Zuckerfabriken dem Stadtgraben von Braunschweig innerhalb 24 Stunden etwa 1600 Kilogrm. organische Stoffe mit 30 Kilogrm. Stickstoff, 360 Kilogrm. unorganische Substanzen und 180 Kilogrm. Knochenkohle zu. Die Abwässer der Zuckerfabriken besitzen einen unangenehmen, fauligen Geruch, und bilden leicht starken Schaum. Sie fördern die Fäulniß des Wassers durch ihre erhöhte Temperatur (30–40°) und durch die große Menge stickstoffhaltiger organischer Stoffe. Die niederen Organismen, welche sich bei der fauligen Gährung der Knochenkohle massenhaft entwickeln, vermehren sich, dem Bachwasser zugeführt, ganz ungeheuer, so daß die Bäche oft meilenweit damit ausgekleidet sind. Selbst am Tageslicht entwickeln diese Organismen große Mengen Schwefelwasserstoff aus den schwefelhaltigen organischen Stoffen, so daß sich in den Wasserläufen eine dicke schwarze Schicht Schwefeleisen und darüber ein weißer Schwefelüberzug lagert. Fische sterben in solchem Wasser.88) Bekanntlich hat das Directorium des Vereines für die Rübenzucker-Industrie des deutschen Reiches einen Preis von 1000 Thalern für die Lösung der Aufgabe ausgesetzt: „Welches Verfahren ist anzuwenden, um zu verhüten, daß das aus den Rübenzuckerfabriken abfließende Wasser unmittelbar oder in Folge späterer Zersetzung schädlich oder belästigend wirken kann“ (polytechn. Journal Bd. CCIX S. 239). Die Abwässer der Stärkefabriken* verhalten sich ähnlich.

In dem Abwasser einer Spiritusfabrik verbreitete sich massenhaft eine Alge: Leptomitus lacteus, welche gelblichweiße Fäden bildete. Das Wasser entwickelte Schwefelwasserstoff und einen stark fauligen Geruch. Durch Behandlung desselben mit Kalk wurde die Alge vernichtet (polytechn. Journal Bd. CXLVI S. 427).

B. Städtisches Canalwasser.

Wenn auch die Verunreinigung der Flüsse durch Industrieabfälle häufig vorwiegt und den städtischen Schmutz verdeckt, so rührt doch ein großer Theil der Gesammtsumme der unreinen Stoffe aus dem Canalwasser

87)

Vierteljahresschrift für öffentliche Gesundheit Bd. 2. 1.

88)

Polytechn. Notizblatt 22. 175.

*

Polytechn. Journal. Bd. LXVIII S. 406; Bd. CLXXXII S. 325.