Text-Bild-Ansicht Band 211

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Die deutschen Flüsse sind zwar durchweg wasserreicher als die englischen, die Anzahl der Fabriken geringer; wenn somit die Gefahr der Flußverunreinigung auch weniger groß ist, so muß doch den Forderungen der englischen Commission im Allgemeinen zugestimmt werden, daß keine Flüssigkeit in die Flußläufe zu lassen ist, welche

  • a. im Liter mehr als 30 Milligrm. suspendirte unorganische oder 10 Milligrm. suspendirte organische Stoffe enthält;
  • b. im Liter mehr als 20 Milligrm. organischen Kohlenstoff oder 3 Milligrm. organischen Stickstoff in Lösung enthält;
  • c. bei Tageslicht eine bestimmte Farbe zeigt, wenn sie in einer Schicht von 30 Millimeter Tiefe in ein Porzellangefäß gebracht wird;
  • d. im Liter mehr als 20 Milligrm. eines Metalles mit Ausschluß von Kalium, Natrium, Calcium und Magnesium in Lösung enthält;
  • e. im Liter, gleichviel ob gelöst oder suspendirt, mehr als 0,5 Milligrm. metallisches Arsen, als solches, oder in irgend einer Verbindung enthält;
  • f. nach ihrer Ansäuerung mit Schwefelsäure im Liter mehr als 10 Milligrm. freies Chlor enthält;
  • g. im Liter mehr als 10 Milligrm. Schwefel in Form von Schwefelwasserstoff oder als lösliches Sulfid enthält;
  • h. im Liter mehr Säure enthält, als 2 Grm. Chlorwasserstoffsäure entsprechend;
  • i. im Liter mehr Alkali enthält, als 1 Grm. Aetznatron entsprechend.

Da jedoch die Abwässer durch Kalkstein, Kreide u. dgl. leicht entsäuert werden können, so empfiehlt es sich, alle sauren Flüssigkeiten von den öffentlichen Wasserläufen auszuschließen.

Nach dem neueren englischen Gesetze ist dem entsprechend Jeder welcher Auswurfstoffe in ein fließendes Gewässer schafft oder ablaufen läßt oder unreine und schädliche Flüssigkeiten aus Fabriken u. dgl. in fließende Gewässer ableitet, zur Entschädigung verpflichtet und muß 100 bis 200 Mark Strafe zahlen, außerdem für jeden Tag, wo die Verunreinigung fortdauert 20 bis 40 Mark. Das Gesetz findet keine Anwendung, wenn der durch die Verunreinigung angerichtete Schaden unerheblich (?) ist, oder auch, wenn der Urheber die anerkannt besten Methoden zur Reinigung anwendet. (Deutsche Bauzeitung 4. 224.)

Mittel zur Abhülfe.

Als Mittel zur Abhülfe dieser Zustände kommen in Betracht:

1. Einrichtungen, welche die Verunreinigung von vornherein vermeiden sollen.

Um die Verunreinigung der Flüsse durch feste Abfallstoffe, namentlich Kohlenreste, Asche, ausgenutzte Farbhölzer, Straßenkehricht u. dgl. zu hindern, genügt ein Gesetz und die ausführende Behörde. – Bei den