Text-Bild-Ansicht Band 211

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augenblicklichen Kohlenpreisen dürfte es sich empfehlen, nicht allein den Kohlenstaub, (vergl. polytechn. Journal Bd. CXCV S. 41; Bd. CC S. 358; Bd. CCIV S. 364; Bd. CCX S. 234) sondern auch die Schlackenreste der Haushaltungen und Fabriken, die bei den durchweg noch mangelhaften Feuerungsanlagen und der geringen Sorgfalt, welche auf dieselben verwendet wird, häufig zur Hälfte aus Kohkes bestehen, für Heizungszwecke zu verwerthen (vergl. polytechn. Journal Bd. CLXXXVI S. 75 und S. 441; Bd. CLXXXVII S. 209; Bd. CCIX S. 236).

Von den Vertheidigern der Düngergruben und Abfuhr wird noch immer behauptet daß dadurch die Flüsse vor Verunreinigung mit Auswurfstoffen geschützt würden. Dem ist nicht so. In den menschlichen Excrementen verhält sich der Stickstoff der Fäces zu dem des Harns fast wie 1 : 8. Wenn auch die Verunreinigung durch diese beiden Stoffe nicht ganz als ihrem Gehalt an Stickstoff proportional angesehen werden kann, weil in dem Urin ein Theil desselben als Harnstoff enthalten ist, so ist doch zu berücksichtigen, daß auch die Umsetzung dieses Körpers in Ammoniumcarbonat von der Entwickelung unzähliger Bakterien begleitet ist, die andere organische Stoffe sehr schnell in Fäulniß versetzen (vergl. polytechn. Journal Bd. CCX. S. 121). Die Analysen 31 und 32 zeigen denn auch, daß das Canalwasser aus Städten mit Mistgruben und Abfuhr fast ebenso viel fäulnißfähige organische Stoffe enthält, als dasjenige, welches die Abflüsse der Waterclosets mit aufgenommen hat. Nach den Untersuchungen von Feichtinger 89) und Pettenkofer enthält das Abwasser der Canäle in München, in die keine Excremente eingelassen werden dürfen, sogar noch mehr gelöste organische Stoffe als das Canalwasser von Rugby mit Waterclosets. Das Zurückhalten der festen menschlichen Abfälle von den Canälen hat demnach keine irgendwie beträchtliche Verminderung der fäulnißfähigen Stoffe des Canalwassers zur Folge, man muß somit die Hoffnung aufgeben, durch gesonderte Behandlung der Excremente die Verunreinigung des Wassers zu verringern.

Auch die zuweilen gestellte Forderung, Fabriken und Gewerbe, welche unreines Wasser liefern, aus den Städten zu vertreiben oder doch ihre Abwässer nur dann in die öffentlichen Canäle aufzunehmen, wenn sie gehörig desinficirt sind,90) ist praktisch nicht durchführbar, verspricht auch keinen durchschlagenden Erfolg, da die Spülwässer der Küchen, Wäschereien, Restaurationen, das Regenwasser oft schädlichere Stoffe den Canälen zuführen

89)

Pettenkofer, das Canal- oder Sielsystem in München (München 1869.)

90)

Lehfeld, der gegenwärtige Stand der Abfuhr- und Canalisationsfrage, S. 57.