Text-Bild-Ansicht Band 211

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als Fabriken. Da die Industrieabwässer durch dieselben Operationen gereinigt werden können, als die gewöhnlichen Canalwasser, so ist ihr Einlauf in die öffentlichen Canäle zu gestatten, wenn sie keine freie Säure oder wesentliche Mengen giftiger Metalle enthalten.

2. Methoden zur Reinigung der Canalwässer und flüssigen Fabrikabfälle.

Die Canalwässer, welche also sämmtliche Excremente und flüssigen Abfälle einer Stadt aufgenommen haben, sowie auch die Abwässer einzelner Fabriken können nun gereinigt werden:

a) durch Behandlung mit chemischen Stoffen,

b) durch Filtration,

c) durch Berieselung.

Die werthvollsten Bestandtheile des Canalwassers sind in erster Linie die verschiedenen Verbindungen des Stickstoffes (zugleich auch die gesundheitschädlichsten), und in zweiter die Phosphorsäure. Der Geldwerth für die Menge dieser Substanzen, welche in 100 Kubikmeter Canalwasser von durchschnittlicher Zusammensetzung gelöst sind, beträgt etwa 15 Mark, während die darin suspendirten Stoffe nur 2 Mark werth sind. Die Gewinnung der suspendirten Stoffe durch einfache Filtration ist daher nicht lohnend, das Canalwasser wird dadurch nur ungenügend gereinigt. Es ist demnach die Hauptaufgabe der chemischen Behandlung, auch die löslichen Bestandtheile niederzuschlagen und in einen transportfähigen Dünger zu verwandeln. Die wichtigsten dieser Methoden sind folgende:

Behandlung mit Kalk. Das Canalwasser wird mit einer bestimmten Menge Kalkmilch vermischt und in große Klärbassins geleitet. Es setzt sich ein stark fäulnißfähiger Schlamm ab, welcher durch ein Paternosterwerk in Gruben befördert wird, dort theils durch Verdunstung theils durch Einsickerung in den Boden langsam trocknet. Das Verfahren ist in großem Maaßstabe bei Tottenham zur Gewinnung von Dünger (Tottenham Sewage-Guano), Blackburn und Leicester (Leicester bricks) angewendet.91) Wie die Analysen 33–36, S. 277, zeigen, vermindert Kalk zwar den Gehalt an löslichen Stoffen, der organische Stickstoff wird aber nicht zur Hälfte entfernt. Der in Leicester erhaltene Niederschlag enthielt nur 18,86 Proc. Kohlenstoff, 0,85 Proc. Gesammtstickstoff, 0,15 Proc. Phosphorsäure. Der Düngerwerth von 100 Kilogrm. entspricht demnach etwa 1,5 Mark, in Wirklichkeit wird aber kaum 0,1 Mark bezahlt. Das Verfahren ist also durchaus mangelhaft.

91)

Polytechn. Journal Bd. CXLIII S. 150; Bd. CLVI S. 54; Bd. CXCVI S. 373.