Text-Bild-Ansicht Band 211

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Scott (englisches Patent 26. Aug. 1871) versetzt die Abwässer mit Kalk, glüht den Niederschlag, und fällt mit denselben neue Kloakenmassen, um den erhaltenen Dünger reicher an Phosphorsäure zu machen. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 5. 395.) Fulda (englisches Patent 13. Februar 1872; daselbst 998) wendet ein Gemisch von 112 Theilen Kalk und 1 Theil Glaubersalz an. Smith (englisches Patent 7. Nov. 1871; daselbst 592) fällt mit Kalk, Lehm u.s.w., kühlt nach dem Absetzen des Niederschlages die erhaltenen Wässer mit flüssiger Kohlensäure (!) damit die durch chemische Mittel nicht fällbaren Stoffe in eine niedrigere Schicht sinken (?), worauf die oberflächliche Schicht abfließt. Cole, Coldfield und Abbot (englisches Patent 4. Novbr. 1871; daselbst 593) erwärmen dagegen durch heiße Luft.

Kalk- und Eisenlösung. Zu Nordhampton wird das Canalwasser von 40000 Personen mit Kalkmilch, dann mit Eisenchlorürchlorid versetzt und nach dem Absetzen durch eine Schicht Eisenerz filtrirt. Das Wasser fließt zwar klar ab, enthält aber, wie Analyse 41 zeigt, noch so viel organische Stoffe, daß es in kurzer Zeit wieder in Fäulniß übergeht. Das fernere Einführen dieses Abwassers in den Nenfluß ist daher verboten (polytechn. Journal Bd. CXCVII S. 373.) – Hofmann empfiehlt Eisenchlorid (daselbst 156. 50). – Houzeau 92) versetzt Wasser, welches namentlich die Fette und Seifen der Wäschereien aufgenommen hat, mit Kalkmilch und Eisenvitriol. Der Schlamm soll als Düngemittel oder mit Steinkohlenpulver zusammen als Brennmaterial Verwendung finden. – Burrow behandelt die Canalwässer mit Eisenvitriol und Gyps (englisches Patent 7. Oct. 1871; Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 5. 488.) Diese Reinigungen werden ebenso wenig genügen als die Behandlung mit Kalk.

Proceß Holden. Das Canalwasser von Bradford wird theilweise, unter der Leitung von Holden, mit Eisenvitriol, Kalk, Kohlenstaub versetzt und durch eine Reihe von Klärbassins fließen gelassen. Analysen 42 und 43 zeigen, daß die Menge der gelösten stickstoffhaltigen Bestandtheile sogar noch vermehrt ist, da ein Theil der suspendirten Stoffe in Lösung geht. Der lufttrockene Niederschlag enthält nur 0,5 Proc. Stickstoff und 0,3 Proc. Phosphorsäure, ist daher fast werthlos.

Süvern's Desinfectionsmittel:93) 100 Theile Kalk werden mit 300 Theilen Wasser gelöscht, mit 8 Th. Theer, 30 Th. Chlormagnesium und soviel Wasser gemischt, daß das Ganze 1000 Theile beträgt.

92)

Polytechn. Centralblatt 1870 S. 224.

93)

Polytechn. Journal Bd. CXCVII S. 83; Bd. CLXXXVII S. 438.