Text-Bild-Ansicht Band 211

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Mit diesem Gemisch sind in Berlin im Laufe von 18 Tagen fast 10000 Kubikmet. Canalwasser desinficirt. Nach dem Bericht der Commission94) ging die Mischung mit dem Canalwasser leicht vor sich, die Niederschläge setzten sich rasch ab, das abfließende Wasser war fast frei von Organismen. Nach längerem Stehen entwickelten sich aber zahlreiche neue Organismen; die Fäulniß wird also nur verzögert, nicht verhindert. 1 Liter des abfließenden Wassers enthält noch 2,8–6,6 Milligrm. organischen Stickstoff. Der trockene Niederschlag enthält nach Liebreich 21,1–36,2 Proc. organische Stoffe, 0,7–1 Proc. Stickstoff und 1,2–1,5 Proc. Phosphorsäure. Nach den Versuchen von Grouven 95) wird zwar die gesammte Phosphorsäure aber nur 38,7–41,7 Proc. Stickstoff gefällt. Der Düngerwerth von 100 Kilogrm. Niederschlag ist nach Werner = 0,9 Mark, nach Röder in den meisten Fällen = 0. – Der aus dem Abwasser der Zuckerfabriken niedergeschlagene Schlamm enthält nach Stohmann nur 0,09–0,16 Proc. Stickstoff. – Für größere Verhältnisse ist das Verfahren also durchaus unbrauchbar.

Hille (englisches Patent 2. Dec. 1870) wendet ein Gemisch von 200 Kalk, 250 Wasser und 15 Gastheer an,96) offenbar mit keinen besseren Erfolgen.

Manning versetzt das städtische Canalwasser mit thierischer Kohle, Alaun, Soda und Gyps. (Polytechn. Journal Bd. CXXXIV S. 158.)

Der A-B-C-Proceß (Alum Blood and Charcoal). Die Patentträger Sillar und Wigner 97) versetzen das Canalwasser mit einer aus folgenden Bestandtheilen zusammengesetzten Mischung: Alaun, Blut, Thon, Magnesia, mangansaures Kalium, gebrannter Thon, Thierkohle, Dolomit in wechselnden Verhältnissen; später werden auch Elektricität und Magnetismus (!) zu Hülfe genommen. Analysen 35, 37–39 zeigen, daß zwar die suspendirten Stoffe entfernt werden, der Gesammtgehalt an löslichen Substanzen aber vermehrt, der Stickstoff nur wenig vermindert ist. Der in Leicester gewonnene Dünger enthält 25 Proc. Kohlenstoff, 0,5 Proc. Phosphorsäure und 1,9 Proc. Gesammtstickstoff. 100 Kilogrm. sind etwa 3,3 Mark werth; die Fabricationskosten werden also nicht gedeckt. Da außerdem die zum Sammeln und Trocknen des Düngers erforderlichen Operationen von widerlichem Geruch begleitet sind, so ist auch dieses Verfahren durchaus ungenügend.

94)

Reinigung und Entwässerung Berlins. Heft III und IV. (Berlin, Hirschwald.)

95)

Hamm, Agronomische Ztg. 23. Nr. 34.

96)

Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 4. 811; 5. 1065.

97)

Vergl. die Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 4 813; 5. 485.