Text-Bild-Ansicht Band 211

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Auf der Aldershot-Farm wird das Wasser von 7000 Erwachsenen, täglich etwa 700 Kubikmeter, auf 33 Hektaren eines sterilen Sandbodens (95 Proc. Quarz, 3 Proc. Eisenoxyd, 2 Proc. Organisch) geleitet. Die eine Hälfte ist mit italienischem Raygras, die andere mit Runkelrüben, Kohl, Sellerie und anderen Gemüsen bestellt. Das in den Boden gedrungene Wasser wird durch tiefliegende Drainröhren abgeleitet (Analyse 54, 55). Einzelne Theile des Rieselfeldes sind an benachbarte Landwirthe zu 1000 Mark pro Hektare verpachtet. Das Gras liefert jährlich 4–5 Schnitt von je 200–250 Kilogrm. pro Ar. Die Abwässer entsprechen somit einem Werth von etwa 3,5 Mark pro Kopf und Jahr.

Bei Croydon auf den Beddington-Wiefen haben 100 Hektaren eines Kiesbodens seit 8 Jahren das Canalwasser von 30–40000 Personen, d.h. täglich etwa 20000 Kubikmeter aufgenommen. Es werden jährlich 5 Schnitte von je 20–25000 Kilogrm. Raygras pro Hektare erhalten. Auch Weizen, Runkelrüben sind mit gutem Erfolge angebaut und Brunnenkresse hat sich als ganz besonders wirksam zur Reinigung und Ausnutzung des Canalwassers erwiesen. Analysen 56 und 57 zeigen, daß dasselbe von dem porösen Boden selbst im Winter hinreichend gereinigt wird. Der durchschnittliche Jahresertrag ist nach Latham pro Hektare 1500–2000 Mark.

Die Berieselungsversuche bei Berlin108) haben ergeben, daß auch in Norddeutschland der unfruchtbarste Sandboden mit Canalwasser überraschend gute Erträge an Gras und Gemüse liefert. So betrug die Einnahme pro Hektare für Gras 776 Mark, Kopfsalat 483 Mark, Sellerie 2700 Mark, Gurken 2790 Mark, Endivien-Salat 2975 Mark. Die Gemüse sind wegen ihres raschen Wachsthums ungemein zart und wohlschmeckend.

Auch die Rieselerträge von Danzig, welche in Frankfurt auf der Versammlung des deutschen Vereines für öffentliche Gesundheitspflege am 16. September d. J. ausgestellt waren, übertrafen jede Erwartung.

Mit dem Grase der Rieselwiesen sind von der Thierarzneischule zu Berlin mit Kühen Fütterungsversuche angestellt. Darnach ist das Grünfutter der Rieselfelder nicht bloß verwerthbar und ohne nachtheilige Folgen, es ist auch ein gutes und nahrhaftes Futter für Milchkühe. Die von Cobbold 109) und Anderen aufgestellte Behauptung, daß durch die Berieselung Eingeweidewürmer auf Menschen und Thiere übertragen werden, hat sich nirgends bestätigt. (Polytechn. Journ. Bd. CCIII S. 160).

108)

Reinigung und Entwässerung Berlins, Heft IV, VII, VIII, IX, und X. (Berlin, Hirschwald).

109)

Polytechn. Journal Bd. CCIX S. 156.