Text-Bild-Ansicht Band 211

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Eine Vergleichung dieser Resultate zeigt, daß die suspendirten organischen Stoffe durch sämmtliche der besprochenen Reinigungsverfahren entfernt, daß aber die gelösten organischen Stoffe durch die bis jetzt bekannten chemischen Processe noch nicht zur Hälfte gefällt werden. Auch die aufsteigende Filtration ist durchaus ungenügend, die absteigende intermittirende Filtration und die Berieselung (vergl. polytechn. Journal Bd. CCX. S. 141) dagegen reinigen das Canalwasser in sehr befriedigender Weise. Hierbei kommt noch ganz besonders in Betracht, daß durch die Berieselung, obgleich offenbar noch verbesserungsfähig, schon jetzt über 90 Proc, der düngenden Bestandtheile sämmtlicher städtischen Abfallstoffe für die Landwirthschaft gewonnen werden, während auch die besten Abfuhrsysteme nur 10 bis 20 Proc. derselben dem Acker zuführen.

Demnach ist die Fortschaffung der fäulnißfähigen städtischen Abfallstoffe, mit Einschluß sämmtlicher menschlicher Excremente und der Industrieabwässer, durch die öffentlichen Canäle und Reinigung dieses Canalwassers durch die Berieselung, für die städtische Bevölkerung – bei gehöriger Rücksicht auf die Forderungen der öffentlichen Gesundheitspflege – das billigste, bequemste und zugleich für die landwirthschaftliche Ausnutzung entschieden das beste Verfahren.

Es wird so viel über die Erschöpfung der Felder, über die Verschwendung der Millionen von Kilogrammen Düngstoffe durch die Canalisation der Städte geredet. Wäre es nicht eher gerechtfertigt über den Zustand der Landwirthschaft Betrachtungen anzustellen, daß sie es noch immer nicht versteht diese werthvollen Stoffe auszunutzen, obgleich die Versuche in England, Berlin und Danzig hinreichend gezeigt haben, daß selbst die sterilsten Sandflächen durch Canalwässer in kurzer Zeit in fruchtbares Gartenland verwandelt werden können.

Wie schon hervorgehoben, ist auch der Untergrund Hannovers stark inficirt, die Abtrittsgruben befinden sich durchweg in einem schauderhaften Zustande,111) Straßengossen, Canäle und Schwindgruben überliefern dem Boden jährlich mehr als 50 Millionen Kilogramm in Zersetzung begriffener menschlicher und thierischer Abfälle, vergiften Brunnen112) und Luft und geben den geeigneten Boden für Schwindsucht, für Typhus und andere zymotische Krankheiten. Gar mancher würde sich schaudernd

111)

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure. 16. 789; Mittheilungen des Gewerbevereines für Hannover, 1873, 231.

112)

Das Trinkwasser, seine Beschaffenheit, Untersuchung und Reinigung, unter Berücksichtigung der Brunnenwässer Hannovers; von Ferd. Fischer (Hannover, Hahn). 1873.