Text-Bild-Ansicht Band 214

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derselben in handelsgerechter Form des Chemismus nicht ganz entschlagen kann. Für die fabriksmäßige Gewinnung der Stärke, deren Vorkommen im Pflanzenreiche ein sehr allgemeines ist, kommen, wiewohl viele namentlich tropische Pflanzen einen sehr erheblichen Stärkemehl-Reichthum aufzuweisen haben, gegenwärtig nur wenige in Betracht. Vornehmlich sind es die Knollen der Kartoffel, dann die Weizen-, Reis- und Maisfrucht, weiters aber auch die Wurzel von Maranta arundinacea (Pfeilwurz), dann die Knollen der Batate, von Jatropha Manihot, sowie von Helianthus tuberosus, das Mark der verschiedenen Sagusarten, endlich die Früchte der Eiche und der Roßkastanie, welche in größeren Massen zur Stärkegewinnung herangezogen werden. Für technische Zwecke haben indeß blos die Stärkemehle aus Kartoffeln, dann aus Weizen, Mais und Reis, sowie die Bataten und Maniocstärke, denen sich etwa noch die aus Eicheln und Castanien gewonnene Stärke anreiht, Bedeutung, während alle anderen Stärkemehl-Sorten fast ausschließlich als Nahrungsmittel Verwendung finden, oder doch nur ausnahmsweise technischen Zwecken dienen.

In den Gewinnungsmethoden der technisch wichtigen Stärkesorten hat sich seit der Pariser Ausstellung 1867 nur wenig geändert. Zumal ist die Methode der Kartoffelstärke-Gewinnung, die auch heute noch vornehmlich in Deutschland und Oesterreich geübt wird, die alte geblieben, und nur sehr langsam finden die Fortschritte, welche die jüngsten Jahre auf dem Gebiete der Maschinentechnik gesehen haben, in diesem Zweige der landwirthschaftlichen Industrie allgemeinen Eingang. So finden wir noch manche Kartoffelstärke-Fabriken, zumal Oesterreichs, in welchen die alte, nach dem Thierry'schen Principe construirte Reibe neben Rüttelsieben oder wohl gar Handsieben in Verwendung steht, und nur einzelne Fabrikanten haben den alten Schlendrian verlassen und durch Einführung rationeller Vorrichtungen gewiß nur sich selbst den besten Dienst geleistet.

Bei den entschiedenen Vorzügen, welche die neueren besonders durch Fesca 2) eingeführten Maschinen für Stärkefabrikation bieten, ist die verhältnißmäßig geringe Verbreitung derselben schwer begreiflich, und wohl nur theilweise durch den Umstand erklärlich, daß für die so glimpflich besteuerte Stärkeindustrie der Sporn fehlt, welcher zur Erhöhung des Ertrages durch Vervollkommnung des Betriebes aufmuntern würde, und daß insbesondere durch die verhältnißmäßig so schwere Belastung der Branntweinindustrie eine solche Fülle von Rohmaterial der Stärkefabrikation zur Verfügung bleibt, daß der weniger streng calculirende Fabrikant

2)

Auch Völkner und in neuerer Zeit Director Markel haben recht brauchbare Extractionsmaschinen construirt.