Text-Bild-Ansicht Band 214

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keinen directen Anlaß findet, an eine vollkommenere Ausbeutung seines Rohmateriales zu denken. Indeß sollte das Auskommen des Fabrikanten hier nicht allein maßgebend sein, und es möchte namentlich nicht vergessen werden, daß gewisse Fortschritte im Betriebe nicht nur die Ausbeute erhöhen helfen, sondern, wie das namentlich von der Benützung guter Extractionsmaschinen und etwa der Anwendung von Centrifugen – unter ihnen besonders der Fesca'schen Raffinirungscentrifuge – gilt, neben der gewiß nicht nebensächlichen Ersparniß an Zeit und Arbeitskraft, sowie endlich an Räumlichkeiten auch eine nicht zu läugnende Verbesserung des Productes in seiner Qualität erreichen lassen, die schon in Hinsicht auf die Erhöhung der Concurrenzfähigkeit des Erzeugnisses nicht unterschätzt werden sollte. In rationell eingerichteten Kartoffelstärke-Fabriken ist gegenwärtig fast allgemein das mechanische Verfahren, unter Anwendung von Waschmaschinen, Reiben und Bürstmaschinen (meist Fesca'scher Construction)3) in Uebung und hie und da, zumal in größeren Betriebsstätten, haben mit gutem Erfolge auch die Centrifugen Eingang gefunden. Die von der Pariser Ausstellung her bekannte Kartoffelreibe von Champonnois scheint trotz der Vortheile, die sie wenigstens der Thierry'schen Reibe gegenüber bietet, sich wenigstens in Deutschland und Oesterreich nicht eingebürgert zu haben. Das Völkner'sche Verrottungsverfahren ist nur vereinzelt in Anwendung und wird mit Vortheil wohl nur für die Ausbeutung des Stärkerückhaltes der Pulpa dort verwendet, wo man für diese als Futtermittel keine genügende Verwendung hat.

Auf dem Gebiete der Fabrikation von Weizenstärke, welche neben der Kartoffelstärke in Deutschland, Oesterreich und Frankreich eine hervorragende Rolle spielt4), hat in den letzten Jahren das ältere Säuerungsverfahren ziemlich allgemein dem rationelleren Martin'schen Verfahren5) Platz gemacht, und nur sehr vereinzelt, fast nur in kleineren Betriebsstätten, trifft man die auch in sanitärer Hinsicht nicht ganz vorwurfsfreie Gährungsmethode noch an. In der Praxis des Martin'schen Verfahrens selbst hat sich nichts Nennenswerthes geändert, und ließe sich in Bezug auf die in Anwendung stehenden mechanischen Vorrichtungen kaum ein nennenswerther Fortschritt bezeichnen, ausgenommen etwa die auch hie und da mit Vortheil eingeführte Centrifugirung des zu raffinirenden

3)

Die Völkner'schen Extractionsmaschinen erfreuen sich insbesondere in Oesterreich einer gleichfalls ziemlich allgemeinen Anwendung.

4)

Obwohl sie neuestens durch die sich billiger stellende Reis- und Maisstärke gewaltige Concurrenz bekommen hat.

5)

Beschrieben in diesem Journal, 1861 Bd. CLXII S. 439.