Text-Bild-Ansicht Band 214

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und endlich zur Trocknung vorzubereitenden Productes. Hand in Hand mit der Verallgemeinerung des Martin'schen Verfahrens geht die rationelle Verwerthung des als Nebenproduct fallenden Klebers, und fast alle größeren Weizenstärke-Fabriken haben es vorgezogen, diesen früher wenig geschätzten Abfall der Weizenstärke-Fabrikation in eine Form zu bringen, in welcher er nicht nur für den allgemeinen Handelsverkehr geeignet, sondern auch besser verwerthbar ist, als dies vordem der Fall war.

Neben der Weizenstärke haben in der jüngsten Zeit auch die Reis- und ferner die Maisstärke eine besondere Bedeutung erlangt. Erstere, schon zur Zeit der Pariser Ausstellung namentlich in England in bedeutender Ausdehnung erzeugt, hat sich seither auch auf dem Continente eingebürgert und wird namentlich in Belgien, dann aber auch in Deutschland, Frankreich und Oesterreich, sowie in Italien in größerem Maßstabe erzeugt. Für die Gewinnung derselben bildet der Bruchreis ein vortrefflich geeignetes Rohmaterial, und die Schwierigkeiten, welche der fabrikmäßigen Erzeugung derselben anfänglich im Wege standen, scheinen durch die ziemlich allgemein gewordene Anwendung des Macerationsverfahrens mit Alkalien ziemlich beseitigt. Namentlich für die Zwecke der Appretur ist Reisstärke vortrefflich geeignet und ist in dieser Hinsicht, wie schon Fesca nachgewiesen hat6), trotz des höheren Preises7) der Weizenstärke entschieden vorzuziehen. Besonders für die Appretur feinerer Waaren hat sie vor der Weizenstärke den Vorzug geringerer Klebrigkeit und überdies insbesondere das voraus, daß sie, weil fast ausschließlich mittels eines Schlemmprocesses gewonnen, frei von Sand und anderen Verunreinigungen ist, die selbst in hochfeinen Weizenstärke-Sorten nicht immer fehlen.

In gleichem Maße wie die Reisstärke beginnt auch die Maisstärke unseren heimischen Stärkesorten immer mehr Concurrenz zu machen, und ist die Maisstärke-Fabrikation, die vor wenig Jahren fast nur in Nordamerika und Brasilien, wo sie sich vor etwa 30 Jahren eingebürgert und dort seither die Fabrikation von anderen Stärkesorten völlig verdrängt hat, dann aber auch in Australien heimisch war, neuestens auch am Continente in Aufnahme gekommen, obwohl sie da noch lange nicht jene Bedeutung gewonnen hat, welche sie für gewisse maisbauende Länder, namentlich für Ungarn, haben könnte.

6)

Vergl. dies Journal, 1871 Bd. CXCIX S. 245.

7)

Der Preis der Reisstärke, der vor wenig Jahren noch 25 fl. und darüber betrug, stellt sich heute im Durchschnitte kaum höher als 18 fl. österr. Währung pro Centner, so daß sie gegenwärtig auch in Hinsicht auf den Kostenpunkt der Weizenstärke vorzuziehen ist.