Text-Bild-Ansicht Band 214

Bild:
<< vorherige Seite

Bei dem Umstande, daß, wie J. Wiesner 8) durch seine bemerkenswerten Untersuchungen nachgewiesen hat, der Maisstärke ein größeres Steifungsvermögen zukommt als der Weizenstärke, ist sie für Appreturzwecke besonders schätzenswerth, und wäre es gewiß der Erwägung werth, ob unsere maisproducirenden Länder ihr Bodenerträgniß durch die Verwerthung der Maisfrucht für Stärkefabrikation nicht wesentlich zu erhöhen vermöchten. –

An die Besprechung der Stärke schließt sich naturgemäß jene der Verwerthung der Nebenproducte der Stärkefabrikation an. Es ist eigentlich blos der bei der Darstellung der Stärke aus Körnerfrüchten abfallende Kleber, welcher uns unter diesen interessirt, da die Schlamm- und Schabestärke für die Herstellung geringerer Qualitäten von Leiogomme sehr gut verwendbar ist, und also als Nebenproduct eigentlich nicht mehr in Frage kommt.9) Wie bereits oben erwähnt, wird es mit der Einführung des Martin'schen Verfahrens für die Production der Getreidenamentlich der Weizenstärke möglich, den Kleber in einer weit brauchbareren Form zu gewinnen, als das bei irgend einem Gährungsverfahren thunlich ist. So hat man sich denn auch ziemlich allgemein gewöhnt, den Kleber in Blättern oder Scheiben getrocknet in einer des allgemeinen Verkehres fähigen Form in den Handel zu bringen, und beschränkt sich nicht mehr auf den nur localen Absatz desselben als Klebemittel für Lederarbeiter, welches neben der Verfütterung oder gar der Anwendung zu Dungzwecken früher die fast allein übliche Verwendung dieses Nebenproductes der Stärke-Industrie war. In solcher Gestalt, in welcher er nicht mehr das eckelhafte, vor jedem Versuche einer anderen Verwendung abschreckende Wesen der Schusterpappe hat, findet er auch mehr und mehr in anderen Industriezweigen Anwendung. So ist namentlich für die Zeugdruckerei der Kleber unter dem Namen Lucin schon längst als in manchen Fällen anwendbares Surrogat für Albumin empfohlen worden und hat erst in jüngerer Zeit in Thom und Rosenstiel, sowie in G. Schäffer warme Fürsprecher gefunden. Wenigstens für geringere Waaren wird sich hier für ihn gewiß Verwendung finden lassen. Als Nahrungsmittel für Menschen, als welches ihn Lichtenstein, dann die

8)

Vergl. Wiesner: die Rohstoffe des Pflanzenreiches. (Verlag von Wilhelm Engelmann. Leipzig 1873.)

D. Red.

9)

Die Verwerthung der bei der Stärkefabrikation resultirenden Wässer, die bekanntlich wegen der Leichtigkeit, mit welcher sie der Fäulniß anheimfallen, nicht selten wesentliche Uebelstände für die Nachbarschaft solcher Fabriken im Gefolge haben, ist neuerlich durch Markl in der Weise versucht worden, daß er dieselben in Sammelbassins mit Kalkmilch fällt, wobei ein Niederschlag resultirt, der für Dungzwecke ganz geeignet ist, während das überstehende Wasser als weniger schädlich abgelassen werden kann.