Text-Bild-Ansicht Band 214

Bild:
<< vorherige Seite

Das Rohmaterial für die Albuminfabrikation bilden einerseits Eier (vornehmlich Hühnereier), andererseits der frische Blutabfall der Schlächtereien, und zwar wird diesfalls das Hauptcontingent von dem Rinderblute gebildet, während Schweineblut, Hammel- und Lammblut in wie begreiflich geringerem Maße zur Verwendung kommen.

In Bezug auf die Heranziehung des Blutabfalles der Schlächtereien zur Albuminfabrikation bedeutet dieser Industriezweig in einem gewissen Sinne auch eine Abfallverwertung, deren Werth nicht unterschätzt werden möchte, wenn man bedenkt, welche Massen von Thierblut, die andernfalls unbenützt verloren gegeben würden, auf diesem Wege einer rationellen Verwendung zugeführt werden – abgesehen davon, daß durch die Einführung einer sorgfältigen Aufsammlung des Blutes ein sanitärer Vortheil erreicht wird, der darin begründet ist, daß durch die Sammlung und Verarbeitung des Blutes auf Albumin die sanitären Uebelstände, welche der Betrieb größerer Schlachthäuser unläugbar im Gefolge hat, entschieden verringert erscheinen. Die Fabrikationsmethode, welche ja bekanntlich nur darauf ausgeht, das von dem Eigelb sorgsam gesonderte Weiß der Eier nach erfolgter Klärung zur Trocknung zu bringen, oder, wo es die Erzeugung von Blutalbumin gilt, die Gewinnung eines möglichst klaren und schwach gefärbten Serums bezweckt, das im Weiteren gleich dem Eieralbumin zur Trockenheit gebracht wird, ist heute allenthalben noch dieselbe, wie sie bereits im Jahre 1865 von Hirzel beschrieben wurde, und hat die von Kuhnheim in Anregung gebrachte Methode der Serumgewinnung durch Schlagen des Blutes und Centrifugiren der coagulirten Massen unseres Wissens nirgends Eingang gefunden, ebensowenig wie sein Vorschlag, die Trocknung durch Verdampfen im Vacuum zu beschleunigen, sich in der Praxis eingebürgert hat.

Ueberall gewinnt man ein für bessere Sorten Blutalbumin brauchbares Serum durch freiwilliges Abträufelnlassen des durch ungestörte Coagulation des Blutes erhaltenen Blutkuchens, der behufs möglichster Ausbeutung meist geschnitten wird. Es hat die Erfahrung gelehrt, daß alle Mittel, welche bisher angewendet wurden, die Serumsausbeuten durch Kunstgriffe, wie Pressen, Abnutschen oder gar Centrifugiren des Blutkuchens, zu erhöhen, ein für Prima- oder selbst Secunda-Albumin völlig unbrauchbares Serum liefern, da die Menge des sich dem Serum beimengenden Blutfarbstoffes auf solchem Wege wesentlich gesteigert wird. Das Trocknen des Eiweißes oder des Serums geschieht, wie dies wohl ursprünglich der Fall war, auch heute noch auf Tellern, Tassen u. dergl., welche in Trockenräumen, deren Temperatur gut regulirt werden kann und die selbstverständlich gut ventilirbar sind, aufgestellt werden, und es