Text-Bild-Ansicht Band 214

Bild:
<< vorherige Seite

Farben unverträglich ist, erweist sich geringer als jener des Eieralbumins, und namentlich wird für dunkle Nüancen Blutalbumin selbst in Secunda-Qualität noch mit ganz vorzüglichem Erfolge verwendet. Die Verwendung der Tertia-Qualität des Blutalbumins beschränkt sich im Allgemeinen auf jene für Zwecke der Zuckerraffinerie, und nur vereinzelt pflegt eine bessere Tertiawaare noch für den Druck von Schwarzfarben verwendet zu werden.

Daß sich bei dem hohen Mittelpreise des Albumins, der selbst das Blutalbumin immerhin noch als ein ziemlich kostspieliges Material erscheinen läßt, allenthalben Bemühungen geltend machten, das Albumin wenigstens in der Kattundruckerei durch andere billigere Mittel von gleicher Wirkungsweise zu ersetzen, ist leicht einzusehen; doch hat trotz des hohen Preises, den die Société industrielle zu Mülhausen auf die Beischaffung eines solchen Ersatzes ausgesetzt hat, sich bisher kein wirkliches Substitut des Albumins gefunden, und alle diesfalls vorgeschlagenen Mittel haben sich nur mehr oder weniger einseitig bewährt. Am meisten hatte dem Albumin noch das bereits im J. 1854 von Grüne empfohlene Caseïn, wenigstens für den Ultramarindruck, Concurrenz gemacht, wiewohl es jenem gegenüber den entschiedenen Nachtheil hat, trübe Farben zu geben.

Man hat dasselbe bekanntlich in alkalischen Lösungen angewendet und der Trübung der damit fixirten Farben durch Zusatz von Oel abzuhelfen gesucht. Das für solche Zwecke in den Handel gebrachte trockene Caseïn (Lactarin oder Lactrin) einfach durch Trocknen von gut ausgewaschenem Topfen (Quark) gewonnen, sowie ein mit einem Alkalizusatz bereitetes Lactarinextract hat lange Jahre hindurch einen bedeutenden Handelsartikel gebildet, der indeß gegenwärtig nur sehr wenig gesucht ist. Es scheint, daß auch das schon 1850 von Wagner empfohlene Magnesiumcaseïnat, selbst in der durch Schlumberger 1871 verbesserten Form der Anwendung mit Baritwasser10), sich nicht allgemein eingebürgert hat, wiewohl dieses letztere Verfahren unstreitig ein sehr rationelles genannt werden darf. Vornehmlich dürfte die nur bedingt mögliche Verwendung der Caseïnfixage für Anilinfarben die Schuld daran tragen, daß bei dem gegenwärtigen Herrschen der Anilincouleurs dieses Fixirungsmittel nur beschränkte Anwendung findet.

Noch weit weniger Verwendung haben die diversen Albuminsurrogate aus Kleber gefunden, und wenn es sich auch nicht läugnen läßt, daß dem bereits 1855 von Martin für den Kattundruck empfohlenen

10)

Vergl. dies Journal, 1871 Bd. CCII S. 94.

D. Red.