Text-Bild-Ansicht Band 214

Bild:
<< vorherige Seite

Kleber ein gewisses Fixirungsvermögen zukommt, so ist doch die bindende Kraft dieses Körpers dem Albumin gegenüber eine relativ nur geringe, und dürfte derselbe wenigstens für feinere Waaren wohl nie besonders in Betracht kommen. Ebenso sind auch die durch verschiedene Proceduren aus dem Kleber gewonnenen Albuminsurrogate, wie der von Messager und Perdrix im J. 1860 empfohlene Kleberleim, dann der im selben Jahre von Hanon in Vorschlag gebrachte Eiweißleim (gefaulter Kleber), sowie das schon früher von Scheurer-Rott anempfohlene Albuminsurrogat (Kleber, durch Einwirkung schwacher Säuren verändert), nur ephemere Erscheinungen geblieben, von denen sich keine recht Bahn gebrochen hat, oder doch wie das beispielsweise von dem bereits früher erwähnten Lucin gesagt werden kann, nur für die Fabrikation geringerer Waaren Anwendung gefunden haben.

Die seinerzeit von der Société industrielle in etwas vorschneller Weise belohnte, mit großen Erwartungen begrüßte Idee, welche G. Leuchs 11) bezüglich der Verwendbarkeit des an den nordischen Fischschlächtereien so massenhaft resultirenden Fischrogens für die Gewinnung eines dem Albumin völlig gleichkommenden Proteïnates faßte, ist bisher Idee geblieben12), und scheint Dollfus Recht gehabt zu haben, wenn er derselben eine besondere Bedeutung absprach. Tatsächlich hat das Fischalbumin, das wiederholt versuchsweise zu Markte gebracht wurde, bisher dem Eier- oder Blutalbumin gar keine Concurrenz gemacht. Es schließt dies indeß die Möglichkeit keineswegs aus, daß durch ein geeigneteres Verfahren sich die Mängel des bisher aus Fischrogen erzielten Productes beseitigen lassen und dieses Material denn doch zu Ehren gebracht werden könnte. Wenigstens dürften heute noch nicht alle Hoffnungen in dieser Hinsicht aufzugeben sein.

Eine besonders wichtige Frage bildet für den Albuminfabrikanten die Verwerthung der Nebenproducte seiner Industrie. Es sind dies bei der Fabrikation des Eieralbumins die Eidotter, bei jener des Blutalbumins die vom Serum befreiten Blutkuchen. Wie groß die Wichtigkeit der Lösung dieser Frage ist, erhellt, wenn man erwägt, daß für die Erzeugung von 1 Pfund Eieralbumin durchschnittlich 180 bis 200 Stück Eier verwendet werden müssen, daß somit eine gleich große Anzahl von Eidottern resultiren, die bei irgend größerem Fabriksbetriebe nicht leicht preiswürdig an Mann gebracht werden könnten, wenn, wie

11)

Vergl. dies Journal, 1862 Bd. CLXV S. 317.

D. R.

12)

Die durch längere Zeit im Betriebe gestandene Fabrik von Sahlström in Jönköping, welche die Albuminfabrikation aus Fischrogen betrieb, scheint neuestens aufgelassen worden zu sein.