Text-Bild-Ansicht Band 214

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es bei der leichten Zersetzbarkeit der Substanz des Eigelbs Erforderniß ist, der Vertrieb dieses Nebenproductes rasch von Statten gehen muß.

Die erste Verwendung, welche das bei der Albuminfabrikation abfallende Eigelb gefunden hat, war jene, welche Sacc in Wesserling (Elsaß) (der, wenn ich nicht irre, überhaupt der Erste war, welcher mit der Fabrikation von trockenem Albumin sich befaßte) einführte, indem er dasselbe auf eine ziemlich weiche Seife, Eierseife, verarbeiten ließ. Eine derartige Verwerthung konnte aber offenbar auf die Dauer nicht rentiren, und so versuchte man zunächst das Eigelb durch passende Zusätze auf längere Zeit zu conserviren. Solcher Conservirungsmethoden sind ziemlich viele, mit mehr oder weniger Erfolg, in Anwendung gekommen. Von den bekannten Mitteln, welche diesfalls angewendet werden, sind die ältesten das 1856 von Mosselmann vorgeschlagene Versetzen mit neutralem Natriumsulfit (etwa 5 Procent) oder ein Zusatz von Chlornatrium (bis 12 Procent), während das neuestens von Jakobsen zu gleichem Zwecke für Albumin empfohlene Chloralhydrat sich ebenfalls für Eigelb verwenden läßt. Weniger empfehlenswerth dürften die in erster Linie für die Conservirung des Albumins vorgeschlagenen, aber selbstverständlich in gleichem Sinne auch für Eigelb brauchbaren Zusätze von chlorsaurem Ammoniak (G. Schäffer) oder arsensaurem Natron (C. Köchlin) sein.

Solchergestalt in flüssiger Form conservirtes Eigelb ist indeß in der Regel doch nur für die Zwecke der Handschuhledergerberei brauchbar, denn wiewohl namentlich das gesalzene Eigelb sich recht gut conservirt und auch der höhere Kochsalzgehalt kein Hinderniß einer Verwendung desselben als Nahrungsmittel bilden würde, so hat das große Publicum doch eine gewisse Scheu vor der Verwendung eines derartigen Präparates und kauft dasselbe nicht gern, so lange der Bezug von frischen Eiern noch möglich ist. Daß mit anderen Mitteln conservirtes Eigelb als Nahrungsmittel überhaupt gar nicht verwendbar ist, ist klar, und so kommt es, daß die Verwerthung dieses einen erheblichen Werth repräsentirenden Nebenproductes der Albuminfabrikation auf solchem Wege keineswegs eine völlig entsprechende ist. Neuestens ist in Bezug auf die Lösung dieser Frage ein erheblicher Fortschritt gethan worden.

Jul. Hofmeier (bekanntlich der eigentliche Begründer der Albuminindustrie) hat, nachdem er zunächst mit gutem Erfolge den Eierausschlag auf allen größeren Marktplätzen eingeführt und also die Eierhändler veranlaßt hat, frische Eidotter allein abzugeben, während er das Eiweiß von denselben abnimmt, eine bisher geheim gehaltene Methode ermittelt, das Eigelb in Form eines lockeren, leicht und vollkommen löslichen Pulvers darzustellen, welches dem Geruche und Geschmacke nach einem