Text-Bild-Ansicht Band 214

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enthalten als die meisten städtischen Brunnenwässer, welche unter dem Einflusse von Abortsgruben, unreinen Straßengossen und schlecht angelegten Canälen stehen. Auch die im behördlichen Auftrage vom Verf. ausgeführten Analysen (S. 480 und 481) zeigen, daß das Grundwasser eines der ältesten Kirchhöfe Hannovers weniger Fäulnißstoffe enthält als eine große Anzahl öffentlicher und Privat-Brunnen.15)

Die Behauptung, daß durch Einführung der Leichenverbrennung die Inficirung des Bodens und des Wassers vermieden werde, ist demnach durchaus falsch. – Damit soll aber nicht gesagt sein, daß nicht einige der jetzigen Friedhöfe gesundheitsschädlich sind. Namentlich sollte die Aufstellung der Särge in ausgemauerten Gruben nicht gestattet werden; die Särge können nicht völlig dicht sein, so daß die gasförmigen Zersetzungsproducte direct in die Atmosphäre entweichen. Daß ferner Friedhöfe, welche in unmittelbarer Nähe der Wohnungen liegen, geschlossen werden müssen, ist selbstverständlich. In Italien soll die Entfernung der Begräbnißplätze von den Wohngebäuden 100 Meter, in Sachsen 136, in Oesterreich und Frankreich 200 Meter betragen; der hygienische Congreß zu Brüssel im J. 1852 forderte 400 Meter.

Ein Friedhof sollte stets mindestens 1000 Meter von dem Orte entfernt angelegt werden. – Am günstigsten für die Verwesung ist ein trockener thonhaltiger Sandboden. Thonboden hindert den Zutritt der Luft, und loser Kiesboden hat ein zu geringes Absorptionsvermögen, so daß unter Umständen Zersetzungsproducte entweichen könnten, bevor sie von dem Sauerstoff der Luft völlig oxydirt und unschädlich gemacht sind, obgleich selbst in diesem Falle keine nennenswerthe Verunreinigung der Atmosphäre zu befürchten ist.16) Der Boden sollte 3 Meter tief drainirt, das Drainwasser auf eine Wiese geleitet werden; etwa abfließende faulige Wässer würden so auf die einfachste und zuverlässigste Weise desinficirt und unschädlich gemacht.17) Selbstverständlich gebietet es die Vorsicht, nicht einen Platz zu wählen, dessen Grundwasser nach einem in der Nähe liegenden bewohnten Orte oder gar nach einer städtischen Wasserversorgungsanlage abfließen. – Der Sarg muß mit einer 1,5 Meter dicken Schicht Erde bedeckt sein; ein Grab darf nicht früher als nach 30 Jahren wieder benützt werden.18) Gewiß würde es sich auch empfehlen, in die Särge eine Schicht Eisenoxyd und Kalk zu bringen.

15)

Vergl. Fischer, das Trinkwasser, seine Beschaffenheit, Untersuchung und Reinigung (Hannover 1873) S. 51.

16)

Vergl. Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege, 1873 S. 502.

17)

Dingler's polytechn. Journal, 1874 Bd. CCXI S. 221.

18)

Vergl. Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege, 1870 S. 100 und 128. Grotefend, das Leichen und Begräbnißwesen im preußischen Staate (Arnsberg 1869).