Text-Bild-Ansicht Band 215

Bild:
<< vorherige Seite

welcher sich die Uhr bewegt hat, von der absoluten Zeit, bei welcher man die Vergleichung anstellt, abzuziehen, um die Zeit des erfolgten Stoßes zu erhalten. Seebach fordert eine genaue Uhr mit Secundenzeiger, und deshalb dürfte sein Vorschlag kaum zur allgemeineren Ausführung gelangen.

Ich halte aber eine einfache Schwarzwälder Weckuhr, die höchstens 6 Mark kostet, für diese Zwecke vollständig ausreichend. Es hat diese Uhr zugleich eine Alarmvorrichtung und kann in jedem Telegraphenbureau oder dgl. unmittelbar neben der Stationsuhr angebracht werden. Damit sie nicht verstaubt, schließt man die Uhr in einen Kasten ein, dessen Boden ein mit Papier verklebtes Loch erhält, damit das Gewicht hindurch kann. Auf diese Weise läßt sich ein Seismochronograph herstellen, welcher höchstens 10 bis 12 Mark kostet und allen Anforderungen entspricht. Die Uhr gestattet ein Ablesen auf Zehntelminuten, und es dürfte kaum möglich sein, die Zeit des Erdbebens genauer als auf 1/2 Minute zu bestimmen. Will man etwas mehr Kosten nicht scheuen, so wähle man ein Schwarzwälderwerk mit verkupferten Eisenbestandtheilen und schwerem Pendel.

Bei Telegraphenämtern, Sternwarten etc., überhaupt an Orten, wo galvanische Batterien schon in Gebrauch sind, würde man elektrische Läutwerke mit der Uhr in Verbindung bringen, um das Ablesen möglichst schnell nach dem Stoße vornehmen zu können. In diesem Falle bringt man den Apparat in einem ruhigen, trockenen und gleichmäßig warmen Locale unter und legt die Alarmklingel an einen Ort, in welchem stets Jemand anwesend ist.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß sich die Generaldirection der Telegraphen zur allgemeinen Einführung von brauchbaren und billigen Apparaten bald entschließt, wenn solche von einem Mechaniker ausgeführt werden; und deshalb habe ich es für gerechtfertigt gehalten, vorstehende Bemerkungen zusammenzufassen. Vielleicht gewähren die Seismochronographen auch in weiteren Kreisen einiges Interesse.

Chemnitz, im December 1874.

Dr. Paul Schreiber.