Text-Bild-Ansicht Band 215

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beobachten (vergl. Kielmeyer, über die Colorie der Wolle und Baumwolle u.s.w., in diesem Journal, 1873 211 313); aber auch die neuerdings veröffentlichten Studien über Verbesserungen in der Fabrikation des in letzter Zeit vernachlässigten Solidblaus zeigen deutlich, daß die Laboratorien der Druckfabriken in dieser Richtung mit einem wirklichen, praktischen Bedürfniß der Mode Fühlung gewonnen haben.

Das Solidblau ist allerdings eine umständliche, mancherlei Zufälligkeiten unterworfene Fabrikation; sie verlangt von Seiten des Coloristen eine specielle Pflege und Ueberwachung, welche man bei den heutigen Verhältnissen der größeren Etablissements einer einzelnen Specialität nicht mehr angedeihen lassen kann. Ein Abkömmling des mit noch mehr Umständen, Kosten und unvermeidlichem Farbverlust verknüpften Fayenceblaus hat es dieses, welches seinerseits wieder direct vom alten Küpenblau sich ableitete, seit Anfang der dreißiger Jahre gänzlich aus den Druckereien verdrängt. Doch kann eine kurze Beschreibung des noch aus dem vorigen Jahrhundert datirenden Fayenceblaudruckes wesentlich dazu dienen, das Solidblau selbst näher zu charakterisiren.

Das Fayenceblau wurde Bedürfniß, als man anfing, feinere blaue Muster mit vorherrschendem Weiß auszuführen, für welche das gewöhnliche Küpenverfahren sich nicht eignete. Gestoßener Indigo wurde in Wasser möglichst fein abgerieben, Eisenvitriollösung zugesetzt, das Ganze mit Gummi verdickt, auf das Baumwollgewebe gedruckt, und die bedruckte Waare durch die warme Kalkküpe, dann durch die Eisenvitriolküpe genommen. Der Eisenvitriol begleitet den natürlichen Indigo als Desoxydationsmittel, welches aber erst im Kalkbad wirksam wird, wo Hand in Hand mit der Reduction die Lösung des Indigos sich vollzieht; der Sauerstoff der Luft regenerirt sodann auf dem Gewebe den blauen Indigo, der aber jetzt innig mit der vegetabilischen Faser verbunden ist, während er zuvor nur mechanisch ihr anhaftete. Um diese Reduction und Ueberführung des Indigos in die lösliche Form allmälig und doch vollständig durchzuführen, wurde die Waare abwechslungsweise durch eine Reihe von Kalk- und Eisenvitriolküpen genommen, dazwischen immer wieder der Luft exponirt, schließlich in der Schwefelsäureküpe vom anhängenden Eisenoxyduloxydhydrat befreit, gut gewaschen und endlich geseift.

Während also beim Fayenceblaudruck der ganze chemische Proceß auf dem Gewebe sich abspielte, wird beim Verfahren des Solidblaus die Reduction des Indigos schon im Laboratorium ausgeführt, um die Fabrikation sicherer und einfacher zu gestalten. Die Reduction kann bewerkstelligt werden durch Kochen von Indigo mit Zinnsalz und Natronlauge;