Text-Bild-Ansicht Band 215

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Stelle des Glases entweder mit freier Hand oder durch Pausen aufgetragen und durch Wegradirung des Aetzgrundes vom Glase an diesen Stellen blosgelegt. Hierauf wurde der zu ätzende Gegenstand entweder den Dämpfen der Fluorwasserstoffsäure exponirt, oder die wachsgeschützten Gegenstände ganz in concentrirte Fluorwasserstoffsäure eingetaucht und in derselben langsam bewegt. Diese Methode der Aetzung des Glases hat aber, indem sie der fabriksmäßigen Ausbeutung viele Hindernisse in den Weg stellt, keinen besonders praktischen Werth und dürfte sich, einige Ausnahmsfälle ausgenommen, wohl nur auf Vorlesungsversuche beschränken. Das Radiren der Zeichnung in den Aetzgrund ist meist ebenso mühsam, wie das directe Graviren des Glases; auch fallen die Aetzungen nie rein aus, indem sich der fettige Aetzgrund mit dem Grabstichel nie vollkommen vom Glase entfernen läßt, und die Flußsäure dann an solchen Stellen das Glas nicht angreift, wodurch in dem geätzten Dessin, besonders bei etwas breiten Strichen, Ritze, Flecken und sonstige Unregelmäßigkeiten sichtbar werden. Ueberhaupt sieht das Glas durch das allzu energische Einwirken der concentrirten Fluorwasserstoffsäure roh und zerfressen aus.

Seit kurzer Zeit nun kommen aus England und Frankreich mit Flußsäure geätzte Beleuchtungsgegenstände mit sehr reichen Ornamenten und auch Blumenzeichnungen im Handel vor, welche zu verhältnißmäßig billigen Preisen verkauft werden. Die Aetzung derselben ist sehr rein, und geben die geätzten Stellen im matten Grunde über der Flamme einen brillanten Effect. Die Art und Weise der Ausführung dieser Art Aetzung wird von den französischen und englischen Fabriken als großes Geheimniß gehütet.

Ich will nun in folgendem eine Methode der Flußsäureätzung beschreiben, von welcher ich zwar nicht weiß, ob sie dem in französischen und englischen Fabriken üblichen Verfahren analog ist, die aber eben so gute, brauchbare und billig herzustellende Fabrikate wie die fremden liefert und praktisch sehr leicht durchführbar ist.

Schon die Zusammensetzung des Glases selbst, welches zur Erzeugung von geätzter Waare verwendet werden soll, ist nicht gleichgiltig, indem sich sehr harte Kali-Kalk-Gläser schlecht zur Aetzung eignen. Die tauglichsten Gläser hierzu sind weiche Bleigläser, bei welchen auf 100 Kilogrm. Sand etwa 10 Kilogrm. reines Minium in die Schmelze kamen. Ferner soll die fertige Rohglaswaare eine vollkommen gleichmäßig glatte Oberfläche haben, weshalb es angezeigt ist, beim Einblasen des Glases in die eisernen Formen Papierstreifen statt der Strohhalme als Glättungseinlage