Text-Bild-Ansicht Band 215

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hohlen Gußwaare. Damit dieser Kern nicht das Gelingen des Gusses vereitelt, muß er entweder rechtzeitig entfernt oder verkleinert werden, oder hinlänglich zusammendrückbar sein.

Mit dem Schwinden, einer in der Natur des Verfahrens begründeten, daher unvermeidlichen Eigenthümlichkeit, sind nicht zu verwechseln jene Fehler, die beim Guß häufig vorkommen, und welche durch das verschiedenzeitige Eintreten des Schwindens und Erstarrens entstehen können. Hierher gehören: das Saugen, concave Stellen der Oberfläche, welche durch die Form nicht gegeben sind; Hohlräume in der cohärenten Gußmasse; Ziehen, Verziehen oder Werfen, Abweichungen des Gußstückes von der Gußform durch unregelmäßige Schwindung und das Zusammensinken der Gußwaare. Zu dem erstgenannten Fehler neigt sich am meisten das Zinn, am wenigsten das graue Gußeisen.

3. Specifisches Gewicht. Auf die specifische Schwere des geschmolzenen Rohstoffes muß Rücksicht genommen werden beim Bau der Gußform. Die Größe des Seiten- und Bodendruckes ist der Dichte der Flüssigkeit gerade proportional, – und die Gußform hat ja statisch nichts anderes zu leisten, als diese Drücke auszuhalten, welche nebst dem specifischen Gewichte nur noch durch die Druckhöhen der Flüssigkeit bedingt sind.

4. Consistenz (Zähigkeit) der Rohstoffe im geschmolzenen Zustande. Jene, welche dünnflüssig sind, erfüllen leichter die feineren Theile der Form als die dickflüssigen. Verläßliche Daten, namentlich ziffermäßige, fehlen.8)

5. Art des Erstarrens. Manche Rohstoffe, die sich sonst recht gut zur Gießerei verwenden ließen, schließen sich durch die eigenthümliche Art des Erstarrens aus, so z.B. das Kupfer, welches sich blasig zusammenzieht. Die Verwendung dieses Rohstoffes in der Gießerei würde an dieser Eigenschaft gänzlich scheitern und seine äußeren Vorzüge würden für die auf dem Gießen fußenden Industrien verloren gehen, wenn man nicht durch seine Vereinigung mit anderen Metallen (zu sogenannten Legirungen) ein Auskunftsmittel gefunden hätte.

Nebst dem Kupfer zeichnen sich auch reines Silber und Bessemermetall

8)

Die Untersuchung könnte durch Messung der Zeit, in welcher ein Gegenstand in Flüssigkeiten untersinkt, geführt werden, da bei Flüssigkeiten von gleichem specifischen Gewichte und gleicher Adhäsion zum Sinkkörper diese Zeit von der Zähigkeit abhangt; doch sind die hohen Temperaturen der geschmolzenen Massen ein Hemmniß für die Untersuchung. Die Praxis kennt im Allgemeinen die in Rede stehende Eigenschaft. Das weiße Gußeisen ist im geschmolzenen Zustande zähe und daher für Gußstücke mit vielen scharfen Kanten und zarten Formen nicht geeignet.