Text-Bild-Ansicht Band 215

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nicht sehr vortheilhaft in dieser Richtung aus, wenn sie auch weniger schwierig sind als Kupfer.9)

6. Adhäsion der geschmolzenen Stoffe zu anderen Substanzen. Die Adhäsion der Rohstoffe zu den Substanzen, aus denen Gußformen bestehen, spielt eine nicht unwichtige Rolle im Gießereiverfahren, da sowohl die erstarrte Masse weder an der Form, noch bei Herstellung der Formen gewisse Theile an einander haften dürfen. Die Kenntniß dieser Adhäsionsverhältnisse führte zu der Nothwendigkeit gewisser Zwischenmittel – Stoffe, mit denen man die Form überzieht, um sie von der Schmelzmasse zu trennen.10) Diese Zwischenmittel dienen in manchen Fällen auch als schlechte Wärmeleiter. Solche Stoffe sind Graphit, Ruß (also feinvertheilte Kohle), Lehmtünche, feiner Sand, Stärke und dergleichen.

7. Veränderung der mechanischen Beschaffenheit der Materie durch die beim Erstarren eintretende größere oder geringere Raschheit der Temperaturveränderung. Ist die Form aus einem gutwärmeleitenden Stoffe, so findet eine rasche Temperaturveränderung d.h. eine rasche Abkühlung statt. Der nasse Formsand kühlt rascher als trockene Sandformen (Masseformen). Noch viel rascher als bei ersterem findet die Abkühlung bei metallenen Formen (Schalenformen) statt, und dies geschieht in um so höherem Grade, wenn die Metallform dick, nach Außen frei und nicht etwa dünn und außen von einem schlechten Wärmeleiter umgeben ist. Man hat es also in der Hand, einen gewissen Grad der Raschheit der Abkühlung herbeizuführen. Dieser Umstand hat aber einen Einfluß auf die nachherige materielle Beschaffenheit

9)

Der weiche Stahl, also auch der Bessemerstahl, steigen beim Eingießen in die Formen unter lebhafter Entwickelung von Kohlenoxydgas in die Höhe, und bilden dann eine blasige Masse. Als Gegenmittel wird „Abkühlen“ des geschmolzenen Stoffes empfohlen. Sehr bemerkenswerthe Beobachtungen über die Dichtheit des Gußes veröffentlichte unlängst der Hüttenmeister in Gröditz, A. Ledebur. (S. Deutsche Industrie-Zeitung, 1874 Nr. 50 bis 52).

10)

Versuche über Adhäsion liegen wenige vor. Allerdings hat Guyton-Morveau die Adhäsion verschiedener Körper gegen das Quecksilber untersucht und bestimmt. Auch Muschenbrock hat eine Reihe von Versuchen bekannt gemacht, welche die Adhäsion verschiedener Körper unter sich selbst, z.B. Platten von Silber zu Silber, nachwiesen.

Es wäre indessen ungerechtfertigt, aus den Muschenbrock'schen Resultaten auf die Adhäsion der geschmolzenen Körper zu den festen aus derselben Materie einen Schluß zu ziehen. Wir lassen übrigens hier die Resultate folgen, welche etwa doch interessiren könnten.

Verhältnißziffern Verhältnißziffern
Adhäsion von Eisen zu 259 Adhäsion von Wismuth zu 109
„ „ Blei 234 „ „ Glas 89
„ „ gehärt. Stahl 184 „ „ Silber 84
„ „ Kupfer 159 „ „ Zinn 59
„ „ Messing 109 „ „ Zink 59