Text-Bild-Ansicht Band 215

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Ueber Kitte für Gasretorten; von Ferd. Capitaine.

So oft dieser Gegenstand auch schon erörtert wurde, so erscheint die Mittheilung brauchbarer Mischungen dennoch immer wünschenswerth. Als Flußmittel einer großen Anzahl in den Handel gebrachter Kitte wird neuerdings Wasserglas benützt. Indessen erscheint die Anwendung von Wasserglas nur zulässig, wenn letzteres in gemahlenem Zustande verwendet wird. Dasselbe bildet ein weißliches Pulver und liefert, mit 3 bis 4 Theilen Thon versetzt, einen sehr brauchbaren Kitt. Es scheitern indessen alle Versuche flüssiges Wasserglas in Verbindung mit Thon, Kreide, Schwerspath oder Aehnlichem zu Kitt zu benützen. Alle diese Mischungen erhärten in kurzer Zeit und lassen sich mithin nicht aufbewahren. Selbst die Anwendung eines ganz alkalireichen Wasserglases, wie es in England fabricirt wird, hilft jenem Uebelstande nicht ab. Indessen erhält man vorzügliche Kitte, wenn man passende magere Thonsorten, namentlich China-Clay, mit einer Lösung von Aetznatron mischt. Auch eine concentrirte Sodalösung läßt sich verwenden. Aetzkali und Potasche erfüllen denselben Zweck, sind indessen um die Hälfte theurer.

Man benöthigt entweder einen Zusatz von ca. 10 Proc. Aetznatron zum Thon, oder 20 Proc. calcinirte Soda. Natürlich richtet sich der Alkalizusatz nach der Feuerbeständigkeit des jeweiligen Thones. Die Masse erhärtet nie in sich selbst und bleibt stets brauchbar. Der Sealy'sche Kitt ist nichts weiter als eine Mischung von China-Clay mit kaustischen Alkalien. (Journal für Gasbeleuchtung etc., 1874 S. 779.)

Beobachtungen über Seewasser-Eis; von J. Y. Buchanan.

Der Verfasser ist Chemiker der auf dem Schiffe „Challenger“ umherkreuzenden Naturforscher-Expedition und hat während des Aufenthaltes in den Südpolargegenden Stücke von Treibeis in Bezug auf Salzgehalt und Schmelzpunkt untersucht. Zwei verschiedene Proben ergaben je 0,1723 und 0,0520 Grm. Chlor auf 1 Liter Eiswasser; außerdem wies die qualitative Analyse die Gegenwart von Kalk, Magnesia und Schwefelsäure nach. Treibeis ist somit keine homogene Masse, was übrigens leicht zu begreifen, wenn man bedenkt, daß das Seeeis während seiner Bildung den auf dasselbe fallenden Schnee nach und nach einschließt. Künstlich zum Frieren gebrachtes Seewasser krystallisirte in hexagonalen Tafeln, welche mit destillirtem Wasser abgespült, zwischen Filterpapier getrocknet und geschmolzen 1,5780 Grm. Chlor auf 1 Liter Eiswasser enthielten.

Der Schmelzpunkt der Eiskrystalle wurde mittels eines Geißler'schen Normalthermometers – 0,3° gefunden, welche Temperatur 20 Minuten hindurch (so lange währte die Beobachtung) constant blieb. Ein Stück frisches Treibeis begann bei – 1° zu schmelzen; 20 Minuten später war das Thermometer auf – 0,9° gestiegen; nach 2 1/2 Stunden war es auf – 0,3°; für ungefähr eine Stunde war das Eiswasser constant – 0,4°.

Diese Temperaturbestimmungen zeigen, daß das Salz im Seewassereise nicht blos als mechanisch eingeschlossene Lache enthalten ist, sondern als fester Körper existirt, als Salzkrystalle oder als Mischung von Salz- und Eiskrystallen. Läßt man Kochsalz aus einer Lösung bei Temperaturen unterhalb 0° herauskrystallisiren, so erscheint es in hexagonalen Tafeln; Seewassereis dürfte daher als analog mit den unter Mineralien auftretenden isomorphen Gemengen angesehen werden. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 1457.)

Hartglas.

Mit diesem neuen sogen. „elastischen Glas“ von de la Bastie in Richmond (Departement Ain) sind auf Veranlassung der Eisenbahnverwaltung im Bahnhof von Pont d'Ain folgende Versuche angestellt worden. Man legte zuerst eine 6 Millim. dicke Scheibe von gewöhnlichem Tafelglas in einem Holzrahmen auf den Boden und ließ darauf ein Gewicht von 100 Grm. aus geringer Höhe fallen. Bei einem Fall aus 0,8 Meter Höhe wurde die Scheibe zertrümmert. Alsdann ersetzte man dieselbe durch eine von