Text-Bild-Ansicht Band 215

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nach ihrer Rinde und der Bastschichten entkleidet, die jungen, von Säften strotzenden Holzfasern mit Glasscherben von den schon fest gewordenen Holzlagen abgeschabt und in untergestellten Gefäßen gesammelt. Das Abgeschabte wird darauf durch feine Preßtücher vom Saftgehalte getrennt und letzterer sofort aufgekocht. Das dadurch gerinnende Eiweiß mit den von ihm eingehüllten, festen Körpern des Preßsaftes (Zellkerne, Stärkemehl) bleiben auf einem Filter von Fließpapier zurück, während man ein klares Filtrat erhält, welches, auf ungefähr 1/5 des ursprünglichen Volumens vorsichtig abgedampft, den Cambialzucker sowohl wie das Coniferin in kystallinischer Form ausscheidet. Durch Behandlung mit kaltem Wasser läßt sich das darin schwer lösliche Coniferin vom Zucker scheiden, krystallisirt dann in weißen, nadelförmigen, meist drusig gruppirten Krystallen, die auf concentrirte Schwefelsäure mit dunkel violetter Farbe reagiren, deren Zusammensetzung von Dr. Kubel, damals Assistent am hiesigen Polytechnicum, durch C₂₄H₃₂O₁₂ + 3aq, später durch Ferd. Tiemann und W. Haarmann (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 608) mit C₁₆H₂₂O₈ + 2aq bezeichnet wurde. Es ergab sich, daß das den Glycosiden zugehörende Coniferin durch Behandlung mit Emulsin in Fruchtzucker und einen zweiten Körper spaltbar ist, dessen krystallinische Form, dessen Farbe, Geruch und Geschmack gleich sind denen des Körpers, welcher die Vanilleschalen des tropischen Amerika durchtränkt und auf der Außenfläche dieser Früchte eine weiße kristallinische Efflorescenz bildet.

Durch Behandlung wässeriger Coniferin-Lösung in einem erwärmten Oxydationsgemisch aus Kaliumbichromat und Schwefelsäure wird eine Flüssigkeit erhalten, aus der Aether ein gelbes Oel aufnimmt, welches nach Verdunsten des Aethers zu nadelförmigen. nach Vanille riechenden und schmeckenden, in Aether und Alkohol leicht löslichen Vanillinkrystallen C₈H₈O₃ erstarrt.

Bereits hat die patentirte Gewinnung des Vanillins im Großen in Thüringens Fichtenwäldern begonnen und verspricht gewinnreich zu werden, in Folge des hohen Preises der bekannten Vanilleschooten und des Umstandes, daß die Leistungsfähigkeit des Vanillins die der theuren Vanillefrüchte muthmaßlich um mehr als das Zehnfache übersteigen dürfte.

Die durch blaue Färbung scharf hervortretende Reaction der Schwefelsäure auf Coniferin zeigt einen reichen Gehalt auch der Bastschichten an diesem Stoffe. Obgleich mir eine Abscheidung desselben aus den Bastschichten bisher nicht geglückt ist, zweifle ich doch nicht an der Ausführbarkeit derselben in irgend einer Weise. Es wäre dies ein Fortschritt von großer Wichtigkeit, da durch die Entrindung stehender Stämme (Abwelken) die sowohl Dauer, als Brennkraft schädigende Fällung der Bäume in der Saftzeit vermieden werden könnte. (Nach dem Handelsblatt für Walderzeugnisse, 1875 Nr. 1.)

Schwedische Zündhölzchen-Fabrikation;* von Prof. Gintl.**

Schweden, dessen Zündhölzchen-Fabrikation, unterstützt durch die billige Arbeitskraft und den Ueberfluß an vorzüglichem Holze (Espe), in den letzten fünf Jahren einen enormen Aufschwung genommen hat und das namentlich durch seine billige Wasser Verfrachtung den continentalen Fabriken eine schwer zu bekämpfende Concurrenz auf überseeischen Märkten macht, hat nicht versäumt, die Großartigkeit dieser seiner Industrie auf der Wiener Weltausstellung 1873 in würdiger Weise zur Anschauung zu bringen. Von den 24 Zündhölzchen-Fabriken (im J. 1867 bestanden deren blos 10), welche in Schweden im Betriebe sind, haben nicht weniger als 16 sich an der Ausstellung betheiligt. Die älteste und bedeutendste derselben ist die im J. 1845 gegründete Fabrik (Actiengesellschaft) zu Jönköping, die allein so viele Arbeiter beschäftigt als alle übrigen Fabriken Schwedens zusammengenommen. Ihre Production betrug im J. 1872: 128039754 Stück verschiedener Feuerzeuge im Werthe von 1857249

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Vergl. dies Journal, 1871 202 391; 1873 209 369.

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Aus dem officiellen Ausstellungsberichte über „die Zündwaaren und Explosivstoffe;“ von Professor Dr. W. F. Gintl in Prag; Druck und Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Wien 1874. (34. Heft. Preis 40 Neukreuzer.)