Text-Bild-Ansicht Band 215

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vornehmlich in Belgien gebräuchliche Einrichtung bildet eine Näherung zu dem Kesselofen.17)

Beim Flammofen ist die Aufnahme des Brennstoffes durch den Rohstoff ausgeschlossen. Nur die Flamme, Rauch und Heißluft bestreichen den schmelzenden Rohstoff. Graues Roheisen wird, wenn es nicht bedeckt ist, theilweise entkohlt. Der Flammofen ist für alle Rohstoffe der Gießerei tauglich, welche nicht durch die directe Bestreichung seitens der Flamme Schaden leiden. Das Maximum der Rohstoffmenge bei einer Schmelzung ist allerdings um etwa ein Drittheil kleiner als beim Schachtofen, dafür ist das Minimum des Rohstoffverlustes etwa dreimal so groß als beim Cupolofen, und auch das Maximum des Abbrandes ist beim Flammofen höher als beim Schachtofen. Die geschmolzene Masse, welche beim Flammofen nicht durch den Brennstoff sich seinen Weg bahnen muß, sondern ruhig dem Sammelraume (Tiegel) zuläuft, ist weniger blasig, „schaumig“ als jene beim Cupolofen. Wo ein sehr cohärenter Guß erfordert wird (Glocken, Statuen), gibt der Flammofen von vornherein mehr Aussicht auf volles Gelingen. Nur jene Schmelzapparate, bei denen Feuerraum und Schmelzraum völlig von einander geschieden, die Tiegel- und Kesselöfen, bieten vollkommene Gewähr gegen jede Verunreinigung und unbeabsichtigte Veränderung des Rohstoffes.

Der Tiegelofen gibt Gelegenheit zu den vollkommensten Heizungsvorrichtungen und höchsten Hitzegraden, sowie zu mäßigen und in engen Grenzen regulirten Temperaturen (Generatoröfen, Wasserbad, Dampfbad); er gibt den weitesten Spielraum in der Wahl des Brennstoffes und Schmelzstoffes. – Der Tiegelofen ist für die Mehrzahl der Gießerei-Rohstoffe der einzig mögliche Schmelzapparat; er löst die schwierigsten und subtilsten Aufgaben, – nur die Maximalgrenze der Rohstoffmenge ist verhältnißmäßig niedrig.

Der interessanteste Bestandtheil des Tiegelofens ist der Tiegel selbst. Die Erwägungen, welche der Wahl des Ofens für die Gießerei mit einem bestimmten Rohstoff und für eine gewisse Art von Erzeugnissen vorangehen müssen, dieselben Erwägungen müssen die Wahl der Art und Größe der Tiegel bestimmen. Während es überflüssig erscheint, hier die Beschreibung der bekannten Einrichtungen von Tiegelöfen aus der mechanischen und chemischen Technologie wiederzugeben, – der Tiegelöfen für Gußstahl, Roheisen, Medaillen- und Kleinkunst, Bronze, Messing, Zink, Gold, Silber, Neusilber, der Siemens'schen und anderen Glas-Schmelzöfen,

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Die zur Calebasserie dienenden Oefen werden wohl auch selbst Kessel- oder Pfannenöfen genannt. Besser wäre es, sie Kessel-Schachtöfen zu nennen.