Text-Bild-Ansicht Band 215

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Wie bekannt, zeigen alle Natrongläser an und für sich eine grünliche Färbung, welche sich genügend und vollständig nur durch Braunstein Paralysiren läßt. Im vorliegenden Falle wird jedoch die Wirkung des Braunsteins durch die dem Glassatze beizumengende Kohle, welche den Zweck hat, die leichtere Zersetzung des Glaubersalzes herbeizuführen, beeinträchtigt. Die Kohle wirkt reducirend auf den Braunstein, verwandelt das Manganhyperoxyd in das nichtfärbende Manganoxydul, während das Manganoxyd allein die dem Grün complementäre Farbe erzeugt (vergl. dies Journal, 1874 213 326). Ob die während des Schmelzproceßes durch Zersetzung des Glaubersalzes frei werdende schweflige Säure gleichfalls nachtheilig für die Farbe des Glases ist, lasse ich dahin gestellt sein; hierüber müssen Versuche näheren Aufschluß geben. Den störenden Einfluß der Kohle dadurch zu beseitigen, daß man erst nach erfolgtem Schmelzprocesse zur Entfärbung mittels Braunstein schreitet, gibt in der Praxis nicht den gewünschten Erfolg. Die Erfahrung lehrt, daß sich unter diesen Umständen eine gleichmäßige Wirkung des Braunsteins auf die ganze Glasmasse sehr schwer erzielen läßt, und ist in solchem Falle das auf dem Boden des Hafens liegende Glas meist stark violett gefärbt, während die oberen Schichten die ursprünglich grüne Färbung beibehalten haben.

Das Verfahren, welches dennoch gestattet, lediglich aus den Rohmateralien Sand, Kalk, Glaubersalz und Kohle ein für genannte Zwecke verwendbares Glas darzustellen, beruht auf dem vorherigen Calciniren der Glasmasse, der Bereitung des sogen. Calcinglases. Hierunter versteht man ein – kaum geschmolzen in Wasser gelassenes Glas, welches in Folge der plötzlichen Abkühlung einen fein zertheilten Zustand annimmt. Dieses Glas wird getrocknet und nochmals unter Beifügung von Entfärbungs- und Reinigungsmitteln wie Braunstein, Salpeter etc. umgeschmolzen, wobei schließlich ein völlig farbloses Product erhalten wird. – Diese höchst einfache Methode will ich versuchen, genauer zu beschreiben. Zur Fabrikation des Calcinglases kann jeder gewöhnliche Schmelzofen mit einer Feuerung nach beliebigem System dienen. Im Souterrain befinden sich um die Feuerung, resp. Gas- und Luftkammern herum, eiserne, mit Wasser gefüllte Gefäße, welche durch steinerne oder thönerne Rinnen mit den Häfen in Verbindung stehen, und in welche das geschmolzene Glas abgelassen wird. Die Häfen sind seitlich am Boden durchbohrt, und diese Oeffnungen mit eisernen Ventilen, in denen Wasser circulirt, geschlossen. Ist die Glasmasse soweit geschmolzen, daß sie sich im zähflüssigen Zustande befindet, so werden die Ventile geöffnet, und das Glas fließt in die zu seiner Aufnahme bestimmten Gefäße.