Text-Bild-Ansicht Band 215

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Hierbei ist die besondere Vorsicht zu beobachten, daß die Häfen zur rechten Zeit wieder geschlossen werden, um das Herabfließen der Glasgalle oder auch eine Explosion zu verhindern.

Zur Bereitung des Calcinglases werden die Materialien Sand, Glaubersalz, Kalk und Kohle ohne sonstige Zuthat innig gemengt und verschmolzen. Das Calcinglas wird nach gehöriger Abkühlung, durch Ausbreiten im Hüttenraum getrocknet und nochmals, wie bereits erwähnt, unter Beifügung von Glasabfällen, Braunstein etc. in einem beliebigen Ofen umgeschmolzen. Die entfärbende, bezieh. Neutralisationsfarbe hervorbringende Wirkung des Braunsteins wird hierbei nicht, im Vergleiche zur gewöhnlichen Schmelze, durch einen direct reducirend wirkenden Körper beeinträchtigt, und hängt es somit nur von der Wahl guter Rohstoffe und richtiger Mischungsverhältnisse ab, ein den gestellten Anforderungen entsprechendes farbloses Glas zu erhalten. Die Vermuthung, daß diese Methode in Folge der zweimaligen Schmelzung einen bedeutenden Zeit- und Brennmaterialaufwand bedingt, liegt nahe, ist aber eine irrthümliche. Die Temperatur des Calcinofens ist eine sehr hohe, da derselbe nie längere Zeit und nur während des Füllens der Häfen geöffnet wird, wodurch eine rasche Schmelzung des Glassatzes stattfindet, welche überdies noch durch ein Verfahren, dessen Bekanntmachung in einer späteren Abhandlung erfolgen soll, beschleunigt werden kann. 12 bis 15 Stunden reichen hin, um den Inhalt eines mehrere Centner Glas fassenden Hafens zu verschmelzen. Was die Umschmelzung des Calcinglases anbelangt, so geht diese der Natur der Sache gemäß in noch geringerem Zeitraume von statten. In Summa dürfte die Fabrikation eines derartigen Glases noch Ersparnisse an Zeit und Brennmaterial ergeben, abgesehen von dem Vortheile, welcher durch Verwendung des im Vergleich zu anderen Materialien billigen Glaubersalzes erreicht wird. Hierbei kömmt noch in Betracht, daß der Calcinofen seiner hohen Hitze wegen, die Verarbeitung eines möglichst harten, alkaliarmen Satzes gestattet, was nicht nur in pecuniärer Beziehung sondern auch in Betreff der Qualität des Glases von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist. Die Nothwendigkeit für dieses Verfahren, zwei Oefen in Betrieb setzen zu müssen, kann umgangen werden, da sich beide Schmelzungen in einem Ofen combiniren lassen. Die Fabrikation des Calcinglases ist eine derartig beschleunigte, daß ein Calcinofen mit z.B. acht Häfen genügendes Material für 24 Umschmelzungshäfen liefert; dem zu Folge reichen in einem Ofen 1/4 der Häfen für die erstere Operation hin, während 3/4 derselben für die weitere Behandlung des Calcinglases verwendet werden können.