Text-Bild-Ansicht Band 215

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demselben beim Gemüse- und beim Obstbau sehr günstige Resultate. Nicht minder ist die Anwendung als Gußdünger bei der Topfpflanzencultur angezeigt. Als Streudünger kann er jeden Kunstdünger ersetzen; selbstverständlich variiren die anzuwendenden Quantitäten je nach Boden- und Fruchtart, und muß man demselben in gewissen Fällen Kali in Form von Holzasche zusetzen. Wie groß der Düngerwerth des Gußdüngers aus dem Radde'schen Fischguano ist, ergibt sich daraus, daß derselbe 33 bis 34 Proc. an kaltes Wasser abgibt, welche Lösung außer leichtlöslichen Phosphaten 15 Proc. Stickstoff in dem Abdampfrückstand (bei 100° getrocknet) enthält.

Die Phosphorsäure ist im Fischguano als dreibasisches Kalksalz enthalten und wird nur allmälig durch die sich bildenden Ammoniaksalze und die Kohlensäure in Lösung gebracht. Es liegt demnach nahe, den Fischguano durch Behandeln mit Schwefelsäure aufzuschließen, um das Phosphorsäuresalz in eine leichtlösliche Form überzuführen. Zu dem Ende wurden verschiedene Versuche angestellt, welche jedoch keine befriedigenden Resultate ergaben. 100 G. Th. Guano wurden mit 16 bis 17 Proc. Schwefelsäure von 66° B. behandelt und ergaben ein Product, welches nur 2,08 Proc. leicht lösliche Phosphorsäure enthielt, obgleich die Schwefelsäure hinreicht, 11 bis 12 Proc. der leicht löslichen Säure zu erzeugen. Der Stickstoffgehalt war bis auf 6 bis 7 Proc. reducirt worden. Wurde der Schwefelsäurezusatz bis auf 30 Proc. vermehrt, so enthielt das Product doch nur 3,58 bis 3,60 Proc. leicht lösliche Phosphorsäure. Die Schwefelsäure hatte demnach hauptsächlich auf das Fleisch und die leimgebenden Gewebe eingewirkt, wodurch dann der größte Theil des Stickstoffes nach der Einwirkung der Säuren als schwefelsaures Ammoniak in der Masse enthalten war.

Wurde der Fischguano zuerst mit Alkalien und dann mit Schwefelsäure behandelt, so resultirte schließlich ein Product, welches lufttrocken in 100 G. Th. enthielt: Phosphorsäure im Ganzen 8,78 bis 8,80 Proc., wovon 3,66 bis 3,68 Proc. leicht löslich und 5,11 bis 5,12 Proc. schwer löslich waren. Der Stickstoffgehalt, größtentheils in der Form von schwefelsaurem Ammoniak, betrug 5,53 bis 5,6 Proc.; das Kali, ebenfalls als schwefelsaures Salz, betrug 5,04 bis 5,10 Proc.

Aus den Resultaten dieser Versuche geht einfach hervor, daß ein Aufschließen mit Schwefelsäure allein hier nicht angezeigt ist, indem durch einen verhältnißmäßig großen Aufwand von Säure nur wenig leichtlösliche Phosphorsäure erzielt wird. Außerdem ist das Product sehr geneigt, Feuchtigkeit aus der Luft anzuziehen, d.h. feucht zu werden und