Text-Bild-Ansicht Band 210

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Chlor = 1 Aequiv. in Milligrm. (35,5 Milligrm.).

Schwefelsäure = 2 Aequiv. in Milligrm. (80 Milligrm. SO³, 98 Milligrm. H²SO⁴).

Magnesium = 2 Aequiv. in Milligrm. (24 Milligrm. Mg, 40 Milligram. MgO).

Calcium = 4 Aequiv. in Milligrm. (80 Milligrm. Ca, 112 Milligrm. CaO), also zusammen 16,8° Härte.

Brauchbar wird ein Trinkwasser unter Umständen selbst dann noch zu nennen seyn, wenn es 1 Aequiv. Salpetersäure, 3 Aequivalente Chlor, 8 Aequiv. Kalk enthält, Fäulnißproducte aber fehlen.

Selbstverständlich kann die Güte eines Wassers nicht durch die Bestimmung eines Bestandtheiles festgestellt werden. Von zwei Wässern, welche gleichstark durch Excremente verunreinigt sind, kann, je nach den Bodenverhältnissen, das eine nur noch wenig organische Stoffe, aber größere Mengen von Ammoniak und Salpetersäure, das andere nur wenig Salpetersäure, aber sehr viel organische Stoffe u.s.w. enthalten.

Die Angabe von Müller, daß je größer der Gehalt eines Wassers an Salpetersäure, desto geringer der an Ammoniak ist und umgekehrt, trifft jedenfalls nur unter ganz bestimmten Umständen zu (Jahresbericht d. schlesisch. Ges. f. vaterländ. Cult. 1871).

Einseitige Untersuchungen, wie die Bestimmung der Salpetersäure von Reich und Goppelsröder (Journal für prakt. Chemie, II. 4. 139 383), der organischen Substanzen von Almén (Bericht deutsch, chem. Ges. 4. 750) oder die mikroskopische Prüfung von Bischoff (Zeitschr. anal. Chem. 10. 441) können daher nur einen bedingten Werth haben.

Zu berücksichtigen ist ferner der Einfluß der Fassung und Leitung des Wassers, namentlich bei Anwendung von Blei- und Kupferröhren.

Regenwasser wird nur dann als ein gutes Trinkwasser zu bezeichnen seyn, wenn es vor Verunreinigung geschützt, in guten Cisternen aufbewahrt und nicht zu alt wird.134)

Flußwasser wird höchstens ein brauchbares Trinkwasser abgeben, da die Temperatur zu sehr wechselt, auch Zuflüsse von thierischen Substanzen wohl nie völlig zu vermeiden sind. (Vergl. Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereines, 1873. Heft 4 und 5).

Daß Sumpfwasser wegen der in ihm enthaltenen Fäulnißstoffe zum Genuß entschieden untauglich, ist längst anerkannt; so erwähnt schon der Koran unter den Strafen der jenseitigen Welt auch das Trinken stehenden Wassers.

134)

Prestel, Das Regenwasser als Trinkwasser. Emden.