Text-Bild-Ansicht Band 210

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5. Salpetrige Säure.

20 K. C. des zu untersuchenden Wassers versetzt man in einem etwa 20 Millimet. weiten Reagirgläschen mit 1 K. C. Stärkekleister 1 Kub. Cent. verdünnte Schwefelsäure und 0,5 K. C. Jodkaliumlösung (1 : 200) und läßt stehen. Enthält das Wasser nur Spuren salpetriger Säure, so färbt sich die Flüssigkeit nach einigen Minuten schwach violett-blau, bei stärkerem Gehalt schön blau; nur wenige Wässer sind so reich an diesem Zersetzungsproduct stickstoffhaltiger organischer Stoffe, daß das Gemisch fast augenblicklich blau, nach einigen Minuten aber bis zur Undurchsichtigkeit gefärbt wird.

Da die salpetrige Säure im Wasser noch nicht genau bestimmt werden kann, dieselbe bei dem angegebenen Verfahren auch mit der Salpetersäure zusammen gemessen wird, so empfiehlt es sich, nur drei Gehaltsgrade zu unterscheiden, und zwar die violette Färbung mit 1, den stärksten Gehalt aber mit 3 zu bezeichnen.

6. Salpetersäure.

A. Qualitative Prüfung: 1 K. C. Wasser wird auf einem Uhrschälchen zur Trockne verdampft, das Schälchen auf weißes Papier gestellt, der Rückstand mit einigen Tropfen einer kalt gesättigten Brucinlösung befeuchtet und 5–10 Tropfen Schwefelsäure zugefügt. Enthält 1 Liter Wasser auch nur 1 Milligrm. Salpetersäure, so wird die Flüssigkeit noch schwach rosa gefärbt, bei stärkerem Gehalt von 10 Milligrm. und darüber, wie dieses bei städtischen Wässern durchweg der Fall ist, tritt die Reaction schon ganz deutlich mit 1 Tropfen des Wassers ein, ohne daß es erforderlich wäre, vorher einzudampfen.

B. Quantitative Prüfung: Salpetersäure oder ein salpetersaures Salz, mit Salzsäure und Eisenchlorür erhitzt, wird unter Bildung von Eisenchlorid und Wasser zu Stickoxyd reducirt, welches gasförmig entweicht:

2HNO³ + 6HCl + 6FeCl² = 3Fe³Cl⁶ + 4H²O + 2NO.
2 . 63 6 . 36,5 6 . 27 3 . 325 4 . 18 2 . 30

126 Th. Salpetersäure geben also mit 219 Chlorwasserstoff und 762 Eisenchlorür 975 Eisenchlorid und 60 Stickoxyd. Aus der Menge des zersetzten Eisenchlorürs (Pelouze) oder des entwickelten Stickoxydes (Schlösing) läßt sich somit die angewandte Salpetersäure berechnen.

Kommt dieses Stickoxyd in Gegenwart von Wasser mit überschüssigem Sauerstoff zusammen, so wird es wieder in Salpetersäure und eine geringe, mit der Temperatur und den Verdünnungsverhältnissen wechselnden Menge salpetriger Säure übergeführt (wie ich früher nachgewiesen,