Text-Bild-Ansicht Band 210

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wäre, sondern auch durch die gleichmäßige Güte ihrer Producte aus. Bei der weiten räumlichen Trennung der Ausstellungsgegenstände ist es für den einfachen Berichterstatter kaum möglich ein Urtheil darüber abzugeben, ob eine oder die andere Fabrik bessere, d.h. weißere oder härtere Waare geliefert. Jedenfalls beweist auch diese Ausstellung, daß Oesterreich in diesem Industriezweige eine hervorragende Stellung einnimmt. Diese ist nicht allein auf den Bezug von vortrefflichem Rohmaterial, sehr hartem Talg aus Oesterreich, Ungarn, den Donaufürstenthümern, Südrußland etc., sondern auch auf eine sehr intelligente, frühzeitig alle Vortheile erfassende Leitung des Betriebes zurückzuführen. Das Ausstellungsobject der Sarg'schen Fabrik in Liesing, ein Postament mit der Büste Milly's gab in wenigen schlagenden Daten die Geschichte dieser Industrie in Oesterreich, in welcher jene Fabrik einen Hauptplatz einnimmt.

Es wurde eingeführt in Oesterreich die Kalkverseifung 1838, die Destillation 1850, die Verseifung unter Hochdruck nach Fouché und Wright 1858, die Verseifung im Autoclav nach Milly 1865, die fabrikliche Gewinnung des Glycerins 1854, seine Destillation 1867, endlich seine Krystallisation 1872. Vor Allem das krystallisirte Glycerin verdient unsere Aufmerksamkeit, und es ist geradezu als eine der bedeutendsten Novitäten der Ausstellung aufzufassen. Nachdem es etwa vor 2 Jahren zufällig bei Winterkälte entdeckt und von Professor A. W. Hoffmann in Berlin näher untersucht worden war, ist es der Sarg'schen Fabrik gelungen, dasselbe nach Belieben fabrikmäßig herzustellen. Ueber die Methode der Darstellung ist bisher nichts Näheres bekannt geworden. Wahrscheinlich wird sehr reines Glycerin im Vacuum möglichst vollständig entwässert und dann stärkeren Kältegraden ausgesetzt, worauf man den flüssig bleibenden Antheil von den Krystallen abgießt. Das krystallisirte Glycerin verflüssigt sich bei circa 15° C., konnte daher vom Publicum nur in den ersten Tagen der Ausstellung in fester Form gesehen werden.

Nicht weit von der Sarg'schen Ausstellung fanden wir die der ersten Seifensieder-Gewerkschaft, oder, wie die Firma bekannter ist, der Wiener Apollokerzen-Fabrik. Dieß ist eine der größten Fabriken der Art, da sie jährlich nahezu 4 Millionen Kilogrm. Talg verarbeitet, den sie zum Theil selbst aus Australien und Südamerika bezieht. Von der gewonnenen Oleïnsäure wird über 1 Million Kilogrm. zu Seife verarbeitet, der Rest verkauft. Wie weit verbreitet das Renommé der Firma ist, beweist der Umstand, daß im Auslande die besseren Stearinkerzen als Apollokerzen bezeichnet, und die Verpackungsform (Orangepapier) und der Firmastempel möglichst nachgeahmt wird. 2 Dampfmaschinen,