Text-Bild-Ansicht Band 210

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verarbeitet wird, entschieden das Uebergewicht über den Schwefelsäure-Verseifungs- und Destillations-Proceß gewonnen, wobei das Glycerin geopfert werden muß. Nur da, wo tropische und Abfallfette die Hauptmasse des Rohmateriales ausmachen, die mittelst des letzteren Processes eine größere Ausbeute an festen Säuren ergeben, behauptet er noch das Feld. Die Schiedamer Fabrik, welche gleichzeitig nach dem Kalk- und Schwefelsäure-Verfahren dargestellte Producte vorführt, zeigt dadurch recht deutlich, daß sie beiderlei Rohmaterial gleich bequem beziehen kann. In Frankreich will man mit dem Kalkzusatze bis auf ein Procent herabgegangen seyn, was indessen nur bei stark ranzigen Fetten möglich ist. Unter gewissen Umständen geht die Selbstentmischung z.B. beim Palmöl soweit, daß aus den Fässern bei längerem Lagern fast reines concentrirtes Glycerin abtropft. Bei so verändertem Material kann in der That ein solches Minimum von Kalk genügen.

Seife wird fast in allen Ländern der Welt in größerer oder geringerer Menge producirt und von zahlreichen Ausstellern ausgestellt, von denen natürlich nur einzelne namhaft gemacht werden können. Es ist leicht zu erkennen, daß in den Ländern des Mittelmeeres immer noch das Olivenöl in seinen geringsten, nicht mehr zu anderen Zwecken tauglichen Sorten als Seifenmaterial die Hauptrolle spielt. Die altberühmte Genueser, Marseiller, spanische Seife findet sich in unveränderter Art auf der Ausstellung, nur wird sie jetzt wahrscheinlich seltener mit der Barillasoda, sondern mit solcher aus Kochsalz bereitet. Der Seife aus Olivenöl steht die aus der Oleïnsäure der Stearinfabriken am nächsten, die ja fast ausschließlich zur Seife verwendet wird. Die Heimat der eigentlichen Talg-Kernseifen ist Deutschland und Oesterreich; aus Rußland stammt die Hanf-, Leinöl-, Thran-, Schmierseife, während England das Gebiet der Palm-, Cocosnuß-, Palmkern- und Harzseifen ist. Durch die Entwickelung der Industrie und des Handels vermischen sich diese Unterschiede, doch sind sie in ihren Umrissen auch noch auf der Wiener Ausstellung zu erkennen. Nur die Oleïnseife ist universell, wie die Stearinsäure, deren Nebenproduct sie bildet.

Sehr zu loben ist es, daß die Aussteller fast überall darauf hingearbeitet haben, eine möglichst neutrale und trockene Seife für Fabrikszwecke herzustellen. Ein motivirtes Urtheil über die exponirten Seifen wäre nur nach einer großen Anzahl vergleichender Analysen möglich, da der Werth der Seife geradezu von ihrer Zusammensetzung abhängig ist. Es wäre zu wünschen, daß die Aussteller genaue Analysen ihrer ausgestellten Muster beigelegt hätten. Ein einziger Aussteller, L. Küntzelmann in Dresden, war offen genug, einem Seifenblock die Aufschrift