Text-Bild-Ansicht Band 126

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Ich begann damit, in der camera obscura zuerst gemalte Kupferstiche, dann künstliche und natürliche Blumen zu copiren; endlich die todte Natur, nämlich eine Puppe, welche ich mit verschiedenfarbigen Stoffen ankleidete, und immer mit goldenen und silbernen Tressen versah.

Ich erhielt alle Farben, und merkwürdiger Weise bilden sich das Gold und Silber mit ihrem Metallglanz ab, sowie das Krystallglas der Alabaster und das Porcellan mit dem ihnen eigenthümlichen Glanz.

Ich habe auch Bilder von Edelsteinen und Glasflüssen gemacht. Bei diesen Versuchen konnte ich eine merkwürdige Eigenthümlichkeit beobachten: ich hatte vor meinem Objectiv ein dunkelgrünes Glas angebracht, welches mir ein gelbes Bild anstatt eines grünen Bildes gab; ein hellgrünes Glas, neben dem dunkelgrünen angebracht, bildete sich hingegen vollkommen mit feiner Farbe ab.

Die große Schwierigkeit, welche mich bis jetzt am meisten hinderte, besteht darin, mehrere Farben zugleich zu erhalten; dieß ist jedoch möglich, weil es mir oft gelang.

Alle hellen Farben bilden sich viel schneller und viel besser ab, als die dunkeln Farben, d.h. je mehr sich die Farben dem Weiß nähern, desto leichter bilden sie sich ab, und je mehr sie sich dem Schwarz nähern, desto schwerer ist es ihr Abbild zu erhalten. Dieß muß seyn, denn je heller die Farben sind, desto größer ist ihre photogenische Wirkung; die Körper, welche am meisten weißes Licht reflectirten, sind auch diejenigen, welche sich am besten abbilden.

Das weiße Licht, weit entfernt der Reproduction der Farben zu schaden, erleichtert sie also, wie wir gesehen haben.

Nachdem ich gefunden hatte, daß die hellen und glänzenden Farben sich viel besser abbilden als die matten Farben (vorausgesetzt jedoch, daß erstere nicht den directen Sonnenstrahlen ausgesetzt sind, weil sie in diesem Falle das Licht wie ein Spiegel reflectiren und das Bild an gewissen Theilen verderben würden), kam ich auf den Gedanken eine Kammer anzuwenden, welche im Innern so viel als möglich erhellt ist. Zuerst benutzte ich eine mit weißem Papier tapezirte Kammer; die Resultate waren hinsichtlich der Reproduction der Farben denjenigen wenigstens gleich, welche mir die schwarze Kammer gab.

Ich bekleidete dann das Innere einer camera obscura mit belegten Spiegelgläsern, und erhielt gegen alle Regeln der Photogenie doch dieselben Resultate.

Ich kann dessenungeachtet nicht positiv behaupten, daß es wirklich vortheilhaft ist, sich vorzugsweise dieser zwei Kammern zu bedienen (um entweder einen größern Effect oder denselben schneller zu erzielen),