Text-Bild-Ansicht Band 126

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die blauen. Die anderen Farben, und häufig alle Farben, obgleich sicher erzeugt, verblieben im latenten Zustande, wie sich leicht nachweisen läßt. Wenn man nämlich ein mit Ammoniak getränktes Baumwollenbällchen nimmt, welches schon zum Reinigen einer Platte gedient hat, und gelinde auf der Platte reibt, so kommt nach und nach das Bild mit allen seinen Farben zum Vorschein; es mußte hierzu die oberflächliche Schicht des Chlorsilbers entfernt und folglich die untere tiefere Schicht bloßgelegt werden, welche unmittelbar der Silberplatte anhaftet und auf der sich das Bild erzeugte.

Daraus ersieht man, daß es sich bloß noch darum handelt, eine Substanz zu finden, welche das Bild entwickelt und vielleicht gleichzeitig die Farben fixirt; das Problem wäre dann vollständig gelöst.

Bei den zahlreichen Versuchen, welche ich zu diesem Zweck anstellte, habe ich folgendes beobachtet. Wenn man den Quecksilberdampf anwendet, so entwickelt man das Bild sehr gut, es hat aber einen gleichförmigen grauen Ton, ohne eine Spur von Farbe; es sieht anders aus als das Daguerre'sche Bild, obgleich es, wie letzteres in einer Richtung betrachtet, sich positiv zeigt, und in der andern Richtung negativ.

Wenn man eine schwache Auflösung von Gallussäure mit Zusatz einiger Tropfen Ammoniak anwendet, so bringt man ebenfalls das Bild zum Vorschein, besonders wenn man ein wenig erhitzt, und nachher die Platte trocknet ohne sie zu waschen. Das Bild, welches dann erscheint, ist dem durch Quecksilber hervorgebrachten sehr ähnlich, und wenn man der Gallussäure einige Tropfen essig-salpetersaures Silber zusetzt, so wird es fast schwarz.

Die Zeit, welche zur Exposition erforderlich ist, um die Farben hervorzubringen, ist je nach der Vorbereitung der Platte sehr verschieden; ich habe sie schon sehr verkürzt, denn ich habe Bilder in der Sonne mit einem deutschen Objectiv für Halbplatten in weniger als einer Viertelstunde gemacht, und in weniger als einer Stunde im zerstreuten Licht. Je empfindlicher die Platte ist, desto schneller vergehen die Farben, und bis jetzt gelang es mir nur, die Farben für einen Augenblick zu fixiren; es handelt sich also noch darum, die Farben bleibend fixiren zu können, was, wie ich oben andeutete, vielleicht durch eine Substanz geschehen könnte, welche das Bild aus dem latenten Zustand in den sichtbaren Zustand überzuführen vermag.

Ungeachtet dessen, was noch zu thun übrig bleibt, glaube ich schon außerordentliche Resultate erhalten zu haben, welche alle Personen in Erstaunen setzten, denen ich Bilder meiner Puppe zeigte, worauf die