Text-Bild-Ansicht Band 123

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daß sie diesen Zweck nicht nur vollständig erreicht hat, sondern daß es auch ein weit rationelleres System ist, die Zündmasse im Innern des Laufes in unmittelbarer Berührung mit dem Pulver zu haben und dieses durch das beinahe unfehlbare Mittel der Friction zu entzünden, als die Explosion durch einen Schlag in einiger Entfernung zu bewirken, und das Feuer durch einen engen Canal dem Pulver mitzutheilen. Dieses ist aber ziemlich Alles was zur Empfehlung des Systems gesagt werden kann. Um rasch laden und feuern zu können, wurde das große Princip eines gezogenen Laufs und einer genau in denselben schließenden Kugel geopfert; wie konnte man einen genauen Schuß thun mit einem Gewehr, dessen Kugel von so kleinem Durchmesser war, daß sie durch ihr eigenes Gewicht von der Mündung des Laufs bis zur Schwanzschraube herabsank? Einmal geladen, konnte das Gewehr nicht in die Ruhelage gebracht werden, und zeigte sich daher hinsichtlich der Sicherheit höchst mangelhaft.

Nach einer Reihe mühevoller und kostspieliger Versuche, worin er auf die liberalste Weise von der preußischen Regierung unterstützt wurde, brachte Hr. Dreyse ein für militärische Zwecke in der That brauchbares Zündnadelgewehr zu Stande, welches mit einem gezogenen Laufe versehen ist, an der Schwanzschraube geladen wird, und durch das rasche Feuern, die bedeutende Schußweite und die Genauigkeit des Schusses sich auszeichnet. Längere Zeit wurde über die Construction dieser Gewehre und die Einrichtung der Patronen ein tiefes Geheimniß beobachtet. Wenige Personen waren damit näher bekannt, obgleich in der preußischen Armee bereits ungefähr 50,000 Stück mit dem besten Erfolge eingeführt waren.

Die Hauptpunkte, welche bei der Construction eines wahrhaft zweckmäßigen und wirksamen Gewehrs ins Auge gefaßt werden müssen, sind folgende:

1) Das Gewehr muß einen genauen Schuß gestatten; deßwegen muß der Lauf gezogen und die Kugel auf das genaueste nach demselben geformt und in denselben eingepaßt seyn. Um aber Zeitverlust zu vermeiden, sollte dieses Einpassen nicht durch äußerliche Mittel, wie durch den Ladstock, sondern durch die Explosion der Ladung selbst geschehen.

2) Mit einem gewissen Pulverquantum muß die Kugel die größtmögliche Geschwindigkeit erlangen. Deßwegen sollte nicht nur die Kugel so beschaffen seyn, daß sie von der Luft den geringsten Widerstand erfährt, sondern die explosive Gewalt der Ladung, d.h. des Pulvers und der Zündmasse, sollte ganz auf die Forttreibung der Kugel verwendet