Text-Bild-Ansicht Band 123

Bild:
<< vorherige Seite

des Lichts. Die aktinischen (chemischen) Strahlen sind jedoch denselben Gesehen der Transmission, Reflexion, Refraction und Polarisation unterworfen.

Wird eine Camera obscura vor einen Gegenstand gestellt, auf welchen die Lichtstrahlen einwirken, so werden diese Strahlen durch die Linse gebrochen und convergiren im Focus der Kammer, wo sie ein Bild erzeugen, welches demjenigen auf unserer Netzhaut genau entspricht.

Da aber die Lichtstrahlen in der Regel von chemischen (aktinischen) Strahlen begleitet sind, so rufen diese letzteren ein besonderes Bild hervor, welches, obgleich wir es mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen können, doch sein Entstehen und Daseyn uns darthut, wenn wir die Glasplatte der Camera obscura durch eine mit gewissen chemischen Verbindungen überzogene Platte ersetzen, welche Substanzen sich unter dem Einflusse der chemischen Strahlen modificiren und ein Bild erzeugen, das von dem Gesichtsbilde in zwei wesentlichen Punkten verschieden ist; das Gesichtsbild dauert nämlich nur so lange als die Lichtstrahlen reflectirt werden, und da es durch alle Strahlen, welche von dem Gegenstande reflectirt werden, hervorgebracht wird, so besitzt es die natürlichen Farben, während das chemische Bild, einmal erzeugt, so fortdauert; da letzteres aber lediglich durch eine gleichförmige Wirkung der chemischen Strahlen hervorgerufen wurde, so können die Lichter des Bildes bloß durch einen Ton und die Schatten durch einen andern ausgedrückt seyn, so daß es keine Farben darbietet.

Die (leuchtenden) Lichtstrahlen, welche eine verschiedene Brechbarkeit besitzen, werden im Allgemeinen beträchtlich weniger gebrochen als die chemischen Strahlen; daher rührt auch die Schwierigkeit, sie alle in demselben Focus zu vereinigen. Ein Objectivglas, welches für die leuchtenden Strahlen vollkommen achromatisch ist, kann ein Gesichtsbild in einem Focus geben, welcher mit dem Focus der chemischen Strahlen doch nicht coincidirt.

Lange Zeit nahm man an, daß die achromatischen Linsen das Gesichtsbild in demselben Focus erzeugen wie das chemische Bild, und diese Annahme war für die Resultate der Photographen eine beständige Fehlerquelle. Nach einer langen Reihe von Versuchen entdeckte ich im J. 1844, daß bei achromatischen Linsen der photographische Focus in der Regel nicht mit dem Gesichtsfocus coincidirt. Diese Thatsache theilte ich der Royal Society und der franz. Akademie der Wissenschaften mit. Anfangs wurde es mir sehr schwer, die Optiker und Photographen davon zu überzeugen; aber Lerebours in Paris, der meine Versuche